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Grundlegendes zum SCL-Schwellenwert (Spam Confidence Level)

Exchange 2010
 

Gilt für: Exchange Server 2010 SP3, Exchange Server 2010 SP2

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2010-09-10

In Microsoft Exchange Server 2010 können Sie bestimmte Aktionen gemäß den Schwellenwerten der SCL-Bewertung (Spam Confidence Level) definieren. Sie können z. B. verschiedene Schwellenwerte für das Zurückweisen, Löschen oder unter Quarantäne stellen von Nachrichten auf einem Server definieren, auf dem die Edge-Transport-Serverrolle installiert ist.

Die Kombination dieser SCL-Schwellenwertkonfiguration auf dem Edge-Transport-Servercomputer und der Konfiguration des SCL-Junk-E-Mailordners für das Benutzerpostfach unterstützt Sie beim Implementieren einer umfassenderen und genaueren Antispamstrategie. Diese genauere und ausführlichere SCL-Schwellenwertanpassungsfunktion in Exchange 2010 kann Sie dabei unterstützen, die Gesamtkosten der Bereitstellung und Verwaltung einer Antispamlösung in der gesamten Exchange-Organisation zu verringern.

Die SCL-Schwellenwertkonfiguration wird vom Inhaltsfilter-Agent verwendet, einem der standardmäßigen Antispam-Agents, die in Exchange 2010 enthalten sind. Der Inhaltsfilter-Agent verwendet Microsoft SmartScreen-Technologie für die Bewertung des Inhalts einer Nachricht sowie zum Zuweisen einer SCL-Bewertung zu jeder Nachricht.

Der Inhaltsfilter-Agent übt sein Funktion spät im Antispamzyklus aus, nachdem andere Antispam-Agents eingehende Nachrichten verarbeitet haben. Viele der anderen Antispam-Agents, die eingehende Nachrichten verarbeiten, bevor diese vom Inhaltsfilter-Agent verarbeitet werden, sind deterministisch hinsichtlich der Aktionen für eine Nachricht. Vom Verbindungsfilter-Agent werden z. B. alle Nachrichten zurückgewiesen, die von einer in einer Echtzeit-Sperrliste enthaltenen IP-Adresse gesendet wurden. Der Absenderfilter-Agent und der Empfängerfilter-Agent verarbeiten Nachrichten auf eine ähnlich deterministische Weise.

In Exchange 2010 verarbeiten diese deterministischen Antispam-Agents Nachrichten zuerst und verringern so die Anzahl der Nachrichten erheblich, die vom Inhaltsfilter-Agent verarbeitet werden müssen. Weitere Informationen zur Reihenfolge, in der Antispam-Agents Nachrichten verarbeiten, finden Sie unter Grundlegendes zu Antispam- und Antiviren-Nachrichtenübermittlung.

Da es sich bei der Inhaltsfilterung nicht um einen genauen, deterministischen Vorgang handelt, ist die Möglichkeit, die vom Inhaltsfilter-Agent für verschiedene SCL-Werte ausgeführte Aktion anpassen zu können, von großer Bedeutung. Durch sorgfältiges Anpassen der SCL-Schwellenwertkonfiguration können Sie Folgendes minimieren:

  • Die Größe des Speicherorts für Spamquarantäne

  • Die Anzahl der legitimen E-Mail-Nachrichten, die fälschlicherweise unter Quarantäne gestellt werden

  • Die Anzahl der legitimen E-Mail-Nachrichten, die im Ordner "Junk-E-Mail" des Microsoft Outlook-Benutzers gespeichert werden

  • Die Anzahl der unerwünschten Spam-E-Mail-Nachrichten, die im Posteingang oder im Ordner "Junk-E-Mail" des Outlook-Benutzers gespeichert werden

  • Die Anzahl der Spam-E-Mail-Nachrichten, die im Posteingang des Outlook-Benutzers gespeichert werden

Möchten Sie wissen, welche anderen Verwaltungsaufgaben es im Zusammenhang mit Antispam- und Antivirenfunktionen gibt? Informationen hierzu finden Sie unter Verwalten der Antispam- und Antivirenfunktionen.

In Exchange 2010 können Sie durch Anpassen der SCL-Schwellenwertaktionen die Inhaltsfilteraktion eskalieren, die für Nachrichten ausgeführt wird, bei denen ein höheres Risiko besteht, dass es sich um Spam handelt. Zum Verständnis dieser Funktion ist es hilfreich, die verschiedenen SCL-Schwellenwertaktionen sowie deren Implementierung zu verstehen:

  • SCL-Schwellenwert zum Löschen   Wenn der SCL-Wert für eine bestimmte Nachricht größer oder gleich dem SCL-Schwellenwert zum Löschen ist, löscht der Inhaltsfilter-Agent die Nachricht. Es findet keine Kommunikation auf Protokollebene statt, die das sendende System oder den Absender informiert, dass die Nachricht gelöscht wurde. Wenn der SCL-Wert für eine Nachricht kleiner als der SCL-Schwellenwert zum Löschen ist, löscht der Inhaltsfilter-Agent die Nachricht nicht. In diesem Fall vergleicht der Inhaltsfilter-Agent den SCL-Wert mit dem SCL-Zurückweisungsschwellenwert.

  • SCL-Zurückweisungsschwellenwert   Wenn der SCL-Wert für eine bestimmte Nachricht größer oder gleich dem SCL-Zurückweisungsschwellenwert ist, löscht der Inhaltsfilter-Agent die Nachricht und sendet eine Zurückweisungsantwort an das sendende System. Sie können die Zurückweisungsantwort anpassen. In einigen Fällen wird ein Unzustellbarkeitsbericht an den ursprünglichen Absender der Nachricht gesendet. Wenn der SCL-Wert für eine Nachricht kleiner ist als die SCL-Schwellenwerte zum Löschen und zum Zurückweisen, wird die Nachricht nicht vom Inhaltsfilter-Agent gelöscht oder zurückgewiesen. In diesem Fall vergleicht der Inhaltsfilter-Agent den SCL-Wert mit dem SCL-Quarantäneschwellenwert.

  • SCL-Quarantäneschwellenwert   Wenn der SCL-Wert für eine bestimmte Nachricht größer oder gleich dem SCL-Quarantäneschwellenwert ist, sendet der Inhaltsfilter-Agent die Nachricht an ein Quarantänepostfach. E-Mail-Administratoren müssen das Quarantänepostfach regelmäßig überprüfen. Wenn der SCL-Wert für eine Nachricht kleiner ist als die SCL-Schwellenwerte zum Löschen, zum Zurückweisen und zum unter Quarantäne stellen, wird die Nachricht vom Inhaltsfilter-Agent weder gelöscht, noch zurückgewiesen oder unter Quarantäne gestellt. In diesem Fall sendet der Inhaltsfilter-Agent die Nachricht an den entsprechenden Postfachserver, auf dem der pro Empfänger geltende SCL-Schwellenwert des Junk-E-Mail-Ordners für die Nachricht ausgewertet wird.

  • SCL-Schwellenwert des Junk-E-Mail-Ordners   Wenn der SCL-Wert für eine bestimmte Nachricht den SCL-Schwellenwert des Junk-E-Mail-Ordners übersteigt, speichert der Postfachserver die Nachricht im Junk-E-Mail-Ordners des Outlook-Benutzers. Wenn der SCL-Wert für eine Nachricht kleiner als die SCL-Lösch-, -Zurückweisungs-, -Quarantäne- und SCL-Schwellenwerte des Junk-E-Mail-Ordners ist, speichert der Postfachserver die Nachricht im Posteingang des Benutzers.

Wenn Sie den SCL-Schwellenwert zum Löschen z. B. auf 8, den SCL-Zurückweisungsschwellenwert auf 7, den SCL-Quarantäneschwellenwert auf 6 und den SCL-Schwellenwert des Junk-E-Mail-Ordners auf 5 festlegen, werden alle E-Mail-Nachrichten mit einem SCL-Wert von 5 oder niedriger an den Posteingang des Benutzers übermittelt.

Bei der Planung und Implementierung der Strategie für die Anpassung des SCL-Schwellenwerts ist es wichtig zu wissen, dass der der Wert für den SCL-Schwellenwert vom Inhaltsfilter-Agent und vom SCL-Junk-E-Mail-Order unterschiedlich verarbeitet wird. Der Inhaltsfilter-Agent verarbeitet den von Ihnen konfigurierten Wert für den SCL-Schwellenwert. Im SCL-Junk-E-Mail-Ordner wird der von Ihnen konfigurierte Wert für den SCL-Schwellenwert plus 1 verarbeitet. Wenn Sie beispielsweise für den Löschvorgang im Inhaltsfilter-Agent einen SCL von 4 konfigurieren, werden alle Nachrichten mit einem SCL von 4 oder höher gelöscht. Wenn Sie für den Löschvorgang im SCL-Junk-E-Mail-Ordner einen SCL von 4 konfigurieren, werden alle Nachrichten mit einem SCL von 5 oder höher gelöscht.

Wenn Sie den SCL-Schwellenwert des Junk-E-Mail-Ordners für einzelne Benutzerpostfächer konfigurieren möchten, müssen Sie das Cmdlet Set-Mailbox in der Exchange-Verwaltungsshell verwenden. Sie können die SCL-Lösch-, -Zurückweisungs- und -Quarantäneschwellenwerte an zwei Orten konfigurieren:

  • Für die Inhaltsfilterkonfiguration (SCL-Konfiguration pro Transport-Servercomputer)   Es wird empfohlen, die organisationsweiten SCL-Schwellenwerte für die Inhaltsfilterkonfiguration auf dem Edge-Transport-Servercomputer festzulegen. Wenn Sie Antispam-Agents auf dem Hub-Transport-Servercomputer ausführen, legen Sie die organisationsweiten SCL-Schwellenwerte auf dem Hub-Transport-Servercomputer fest. Indem Sie die gleichen SCL-Schwellenwerte auf alle Transport-Servercomputer anwenden, können Sie einen konsistenten Basisgrad von SCL-Funktionen in der gesamten Organisation einrichten. Nachdem Sie die Spamfunktionen und -messgrößen analysiert haben, die von den Antispamprotokollierungs- und -Berichtsfunktionen bereitgestellt werden, können Sie nach Bedarf weitere Anpassungen an diesen SCL-Schwellenwertkonfigurationen vornehmen.

  • Für Benutzerpostfächer (SCL-Konfiguration pro Empfänger)   Mit dem Cmdlet Set-Mailbox können Sie die SCL-Schwellenwerte zum Löschen, zum Zurückweisen und zum unter Quarantäne stellen pro Empfänger für einzelne Benutzerpostfächer festlegen. Wie in diesem Thema bereits an früherer Stelle erläutert wurde, legen Sie die SCL-Schwellenwerte für den Junk-E-Mail-Ordner für einzelne Benutzerpostfächer mithilfe des Cmdlets Set-Mailbox fest. Die pro Empfänger festgelegten SCL-Lösch-, -Zurückweisungs- und -Quarantäneschwellenwerte werden in Active Directory gespeichert und durch den Microsoft Exchange EdgeSync-Dienst auf die Edge-Transport-Server repliziert. Die pro Empfänger vorgenommenen SCL-Schwellenwertkonfigurationen werden vom Inhaltsfilter-Agent selbst dann verwendet, wenn Sie SCL-Konfigurationen pro Transport-Servercomputer festgelegt haben. Wenn Sie SCL-Schwellenwerte pro Empfänger festgelegt haben, verwendet der Inhaltsfilter-Agent daher die pro Empfänger festgelegten SCL-Schwellenwerte für bestimmte Benutzer statt der SCL-Konfiguration für den Inhaltsfilter-Agent.

    HinweisAnmerkung:
    SCL-Schwellenwerte pro Empfänger werden nicht für E-Mail-Nachrichten erzwungen, die über Verteilergruppen empfangen wurden. Diese Nachrichtentypen werden beim Transportserver zurückgewiesen, bevor die Schwellenwerteinstellungen pro Empfänger angewendet werden. Wenn Sie Microsoft Forefront Protection 2010 für Exchange Server verwenden, besitzen außerdem alle SCL-Schwellenwerteinstellungen pro Empfänger, die auf die Edge-Transport-Server durch den Microsoft Exchange EdgeSync-Dienst repliziert wurden, Vorrang vor den Forefront-Antispameinstellungen.

    Weitere Informationen zum Verwenden des Cmdlets Set-Mailbox finden Sie unter Set-Mailbox.

Es wird empfohlen, die SCL-Schwellenwerte wie folgt einzurichten und anzupassen:

  1. Aktivieren Sie die SCL-Lösch-, -Zurückweisungs- und -Quarantäneschwellenwerte für die Inhaltsfilterkonfiguration auf jedem Edge-Transport-Servercomputer.

    Die SCL-Schwellenwerte sollten auf Organisationsebene aktiviert werden, und für diese SCL-Schwellenwerte sollten die Standardwerte verwendet werden. Die Standardwerte wurden vom Exchange Server-Team anhand der praxisbezogenen Daten aus der IT-Messagingabteilung von Microsoft und des Feedbacks von frühen Benutzern von Exchange 2010 festgelegt. Die Standardwerte wurden für große, globale Unternehmensbereitstellungen optimiert.

    Sie können bei Bedarf auch die SCL-Lösch-, -Zurückweisungs- und -Quarantäneschwellenwerte auf Empfängerbasis konfigurieren, um die auf der Organisationsebene konfigurierten SCL-Schwellenwerte zu umgehen. Weitere Informationen zum Festlegen der SCL-Schwellenwerte für die Inhaltsfilterkonfigurationen finden Sie unter Konfigurieren der Eigenschaften von Inhaltsfiltern.

  2. Überwachen Sie die Spamberichte und -protokolle während der ersten Woche nach Aktivierung der SCL-Schwellenwerte genau.

    Zum Erfassen von Filterergebnisdaten können Sie verschiedene integrierte Skripts verwenden, die sich im Ordner "%ExchangeInstallationspfad%\Scripts" befinden (z. B. get-AntispamSCLHistogram.ps1). Wenn die Daten anzeigen, dass sofortige Anpassungen erforderlich sind, konfigurieren Sie die SCL-Schwellenwerte erneut. Erfassen Sie andernfalls die Daten, und analysieren Sie die Spamberichte, damit Sie bestimmen können, ob Anpassungen erforderlich sind.

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