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Migrieren nach Windows Vista über das User State Migration Tool

Veröffentlicht: 03. Mrz 2006
Von Nelson Ruest und Danielle Ruest

Zusammenfassung

Sobald eine neue Version eines Betriebssystems auf den Markt kommt, beginnt in den Unternehmen ein Prozess, der die großräumige Bereitstellung der neuen Technologie zum Ziel hat. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Bereitstellung ist die Migration von Benutzereinstellungen, also das Erfassen aller benutzerdefinierten Einstellungen auf vorhandenen Systemen und ihre Wiederherstellung auf neuen Systemen. Bei Microsoft Windows Vista wird dieser Vorgang durch ein umgearbeitetes Microsoft Windows User State Migration Tool (USMT) vereinfacht, mit dem Migrationen reibungslos und fehlerfrei durchgeführt werden können. Dieser Artikel beschreibt, wie Migrationen sowohl in unternehmensweiten als auch in persönlichen Umgebungen erfolgreich durchgeführt werden.

Auf dieser Seite

Überblick über die Herausforderungen einer MigrationÜberblick über die Herausforderungen einer Migration
Verschiedene MigrationsstrategienVerschiedene Migrationsstrategien
Verbesserungen in Windows VistaVerbesserungen in Windows Vista
Migrationsszenario Migrationsszenario
ZusammenfassungZusammenfassung

Überblick über die Herausforderungen einer Migration

Sobald eine neue Version eines Betriebssystems auf den Markt kommt, wollen sich Unternehmen die neuen Funktionen zunutze machen. Es beginnt ein Prozess, der die großräumige Bereitstellung der neuen Technologie zum Ziel hat. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Bereitstellung ist die Migration von Benutzereinstellungen, also das Erfassen aller benutzerdefinierten Einstellungen auf vorhandenen Systemen und ihre Wiederherstellung auf neuen Systemen. In diesem Artikel bezeichnet der Begriff "Migration" in erster Linie das Erfassen und Wiederherstellen von Daten, während mit "Bereitstellung" hauptsächlich das Austauschen eines Betriebssystems gemeint ist. Bei Microsoft Windows Vista werden Migrationen durch ein umgearbeitetes Microsoft Windows User State Migration Tool (USMT) vereinfacht, mit dem sie reibungslos und fehlerfrei durchgeführt werden können. Dieser Artikel beschreibt, wie Migrationen sowohl in unternehmensweiten als auch in persönlichen Umgebungen erfolgreich durchgeführt werden.

Abhängig vom Szenario stehen für die Migration von Benutzereinstellungen zwei Tools zur Verfügung:

  • Für die Migration von PC zu PC empfiehlt sich PC Migration Assistant, eine grafische Oberfläche zum Durchführen des Migrationsprozesses. Dieses Tool unterstützt persönliche Migrationen, d. h. Migrationen in Nicht-Unternehmensumgebungen oder unternehmensweite Migrationen, die von einzelnen Benutzern durchgeführt werden.

  • Bei Remotemigrationen oder Migrationen, die mithilfe von USMT Version 3.0 automatisiert werden (einem Befehlszeilenprogramm mit skriptgesteuerter Migration), wird ein standardisierter, wiederverwendbarer Prozess für unternehmensweite Migrationen durchgeführt.

In diesem Artikel werden beide Tools beschrieben. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf USMT, da dieses Tool standardmäßig über mehr Funktionen verfügt als die grafische Oberfläche.

In großen und kleinen Unternehmen hängt der Erfolg einer Bereitstellung normalerweise von einem möglichst geringen Aufwand und einer geringen Vielfalt ab. Für die erfolgreiche Bereitstellung eines Betriebssystems sind getestete Prozesse erforderlich, die mit einem hohen Grad an Zuverlässigkeit wiederholt werden können. Dies ist ein Grund, warum die Vielfalt so gering wie möglich sein sollte: je komplizierter der Bereitstellungsprozess, desto höher die Wahrscheinlichkeit seines Scheiterns.

Unternehmen sollten für alle Benutzer eine Kombination von Hardware und Software festlegen, um die Vielfalt zu verringern und die Standardisierung zu erleichtern. Daraus ergibt sich eine Standardbetriebsumgebung (Standard Operating Environment, SOE), die als Grundlage für alle Systeminstallationen dienen kann. Zur SOE gehören Standardhardwaretreiber, Kernfunktionen des Betriebssystems, zentrale Produktionsanwendungen (besonders volumenlizenzierte Versionen) und wichtige Dienstprogramme. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der SOE ist ein Satz von Sicherheitsfunktionen, die in den Unternehmensrichtlinien festgelegt sind. Die Verwendung einer SOE verringert die Herausforderungen einer Bereitstellung enorm.

Bei der Migrationsplanung sollten sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen zunächst feststellen, welche Elemente migriert werden sollen (persönliche Benutzereinstellungen, Anwendungen, Anwendungseinstellungen, persönliche Datendateien und Ordner). Da es sinnlos ist, Daten für veraltete Anwendungen zu erfassen, müssen vor allem die zu migrierenden Anwendungen festgelegt werden. Einer der wichtigsten Punkte beim Migrieren von Einstellungen und Daten ist, dass auf dem Zielsystem nur die Informationen wiederhergestellt werden dürfen, die wirklich benötigt werden. Das Wiederherstellen von Daten und Einstellungen für Anwendungen, die auf dem Zielsystem nicht mehr installiert werden, ist redundant und trägt zur Instabilität auf dem neuen Zielsystem bei. Dies gilt auch dann, wenn die Quelldaten umfangreicher sind als die wiederhergestellte Sicherung.

Die Komplexität der übertragenen Einstellungen kann noch zunehmen, wenn sich mehrere Benutzer ein System teilen. In diesem Fall gibt es auf dem Quellsystem mehrere verschiedene Benutzerprofile, von denen jedes einzelne bewahrt werden muss. Hier findet sich ein weiterer Anhaltspunkt für eine Überprüfung. Profile können veraltet sein, wenn die entsprechenden Benutzer nicht mehr auf den Computer zugreifen oder nicht mehr bei dem Unternehmen beschäftigt sind. Auch in einem persönlichen Migrationsszenario sollten Sie nur diejenigen Profile migrieren, die auch auf dem neuen System benötigt werden.

Hinweis: Es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen USMT und Migration Assistant. Wegen seiner interaktiven Natur muss Migration Assistant im Kontext des Benutzers ausgeführt werden. Die Operation muss für jeden Benutzer im System wiederholt werden, es sei denn, sie findet im Kontext eines Administrators statt. USMT kann bei Bedarf im Stapelmodus ausgeführt werden und erfasst dabei jedes Profil im System. Außerdem ist USMT in der Lage, Profile von Benutzern herauszufiltern, die sich seit längerer Zeit nicht beim System angemeldet haben. Sowohl USMT als auch Migration Assistant können vorhandene Benutzer neuen Konten zuordnen (z. B. kann ein Profil von einer Arbeitsgruppe zu einem Domänenkonto verschoben werden).

Verschiedene Migrationsstrategien

Sowohl persönliche als auch unternehmensweite Migrationen können verschiedene Arten von Bereitstellung beinhalten. Dazu gehört das grundlegende Systemupgrade mit dem neuen Betriebssystem (direkte Installation), die schrittweise Migration einzelner Computer, wobei Daten von einem Computer zu einem anderen übertragen werden, und die vollständige Neuinstallation, bei der auf dem alten System zuerst die Festplatte gelöscht und anschließend die Installation durchgeführt wird. Von diesen drei Szenarios ist die direkte Installation mit Abstand die einfachste, da hier das System unter Beibehaltung vorhandener Daten aktualisiert wird. In jedem Fall empfiehlt es sich, vor der Migration eine Sicherung des Systems durchzuführen (auch bei der direkten Installation).

Bei Systemen unter Microsoft Windows XP oder Microsoft Windows 2000 werden Einstellungen und persönliche Daten im Benutzerprofil gespeichert (siehe Abbildung 1). Die zum Benutzerprofil gehörende Ordnerstruktur ist so aufgebaut, dass sie alle Daten enthält, die der Benutzer für seine Anwendungen und Tools benötigt, vorausgesetzt, die Anwendungen und Tools unterstützen die genannten Betriebssysteme. Legacy-Anwendungen stellen in Migrationssituationen oft ein Problem dar, da sie weder Einstellungen noch Daten an voreingestellten Speicherorten ablegen. In solchen Fällen muss vor der Migration festgestellt werden, wo sich die Einstellungen und Daten im System befinden. Ähnliche Probleme ergeben sich, wenn in einem Unternehmen die Benutzerdaten in mehr als einem Ordner gespeichert werden. Meist ist einer der Ordner geschützt, die anderen Ordner sind frei zugänglich. Bei einer Migration müssen alle Benutzerordner verschoben werden.

Die Struktur eines Benutzerprofils in Windows XP

Abbildung 1: Die Struktur eines Benutzerprofils in Windows XP

Hinweis:  Die Windows Vista Migrationstools unterstützen nur Windows Vista, Windows XP und Windows 2000 als Quellen für Migrationsdaten. Migration Assistant unterstützt als Ziel nur Windows Vista, während USMT sowohl Windows Vista als auch Windows XP akzeptiert.

In Unternehmensumgebungen (besonders in solchen, die den Verzeichnisdienst Microsoft Active Directory verwenden) ist es möglich, die Migration durch Strategien zu vereinfachen, die die Speicherung von Benutzerprofilen zentralisieren. Es gibt zwei Strategien, die dieses Ziel unterstützen. Die erste Strategie besteht in der Verwendung von Roaming-Profilen. Dabei werden die Profile an einer zentralen Stelle gespeichert. Sie stehen den Benutzern zur Verfügung, sobald sich diese am Computer anmelden. Bei einer Systemmigration ist es nicht erforderlich, Benutzereinstellungen von Workstations abzurufen, da diese bereits auf einem Server gespeichert sind. Bei der Migration von einer älteren Windows-Version nach Windows Vista funktioniert dieses Verfahren jedoch möglicherweise nicht, da sich die Struktur des Benutzerprofils in Windows Vista von der entsprechenden Struktur im Quellbetriebssystem unterscheidet.

Eine weitere Methode zum Schutz von Benutzerdaten besteht in der Ordnerumleitung. Die Ordnerumleitung bedient sich einer Gruppenrichtlinienerweiterung, um Benutzerdaten und Einstellungen automatisch zu einer zentrale Stelle umzuleiten. Auf diese Weise können Unternehmen Benutzerdaten schützen und regelmäßig sichern. Die Funktion unterstützt die Umleitung von vier Schlüsselordnern im Benutzerprofil:

  • "Anwendungsdaten" enthält alle anwendungsspezifischen Einstellungen.

  • "Desktop" enthält alle Informationen über den Desktop.

  • "Startmenü" enthält alle persönlichen Verknüpfungen des Benutzers.

  • "Eigene Dateien" enthält alle Benutzerdaten. Unter "Eigene Dateien" befindet sich der Ordner "Eigene Bilder", der alle Grafiken des Benutzers enthält.

Obwohl die Ordnerumleitung die meisten Benutzerdaten schützt und die Migration unterstützt, müssen die Migrationstools während der Migration dennoch sämtliche Benutzerdaten erfassen. Die Ordnerumleitung berücksichtigt keine Elemente wie z. B. "Favoriten" oder "Vorlagen". USMT unterstützt standardmäßig die Migration aller Elemente in der ersten Spalte von Tabelle 1.

Tabelle 1. Dateien und Einstellungen, die von USMT Version 3 standardmäßig migriert werden

USMT migriert USMT migriert nicht

Microsoft Internet Explorer-Einstellungen

Microsoft Outlook Express-Speicher

DFÜ-Verbindungen

Desktop

Telefon- und Modemoptionen

Eingabehilfen

Klassischer Desktop

Eingabeaufforderung

Favoriten

Schriftarten

Ordneroptionen

Einstellungen der Taskleiste

Maus- und Tastatureinstellungen

Schnellstarteinstellungen

Bildschirmschoner

Klangeinstellungen

Regionsoptionen

Ordner "Eigene Dateien"

Ordner "Eigene Bilder"

Ordner "Eigene Videos"

Ordner "Eigene Musik"

Ordner "Eigene empfangene Dateien"

Hardwareeinstellungen

Treiber

Kennwörter

Anwendungen

Synchronisierungsdateien, .dll-Dateien oder andere ausführbare Dateien, Encrypting File System (EFS)-Zertifikate (in einigen Szenarios können EFS-Zertifikate migriert werden, wenn das Ziel Windows Vista ist)

Sie können USMT außerdem so anpassen, dass weitere Elemente migriert werden, da USMT Eingabedateien im XML-Format verwendet. Verwenden Sie in jedem Fall ein Migrationstool wie USMT oder Migration Assistant, wenn Sie eine Migration erfolgreich durchführen möchten.

Migrationsszenarios

Die drei bereits erwähnten Migrationsszenarios sind die direkte Installation, das schrittweise Upgrade und die vollständige Neuinstallation. Von diesen drei Möglichkeiten ist die erste am einfachsten, da sie meist auch dann keine Wiederherstellung der Einstellungen erfordert, wenn vor Beginn Daten zu Sicherungszwecken erfasst wurden. Der Upgradeprozess von Windows Vista setzt das Upgrade automatisch zurück und stellt den Desktop des Benutzers wieder her, wenn der Prozess an einem beliebigen Punkt vor der ersten Anmeldung fehlschlägt. Diese Art der Migration ist heute kaum mehr gebräuchlich, da die meisten Unternehmen einen Prozess vorziehen, bei dem der gesamte Inhalt des Systems ersetzt wird. Dadurch ist gewährleistet, dass sich ein bereitgestellter PC in einem fest definierten Zustand ohne Überbleibsel alter Betriebssysteme oder Anwendungen befindet.

In der Praxis nutzen viele Unternehmen die Bereitstellung eines neuen Betriebssystems dazu, ihre PCs und die darauf installierten Systeme in einer Art Rotationsverfahren anderen Benutzern zur Verfügung zu stellen. Die Rotation beginnt mit der Beschaffung neuer Systeme, die als zentraler Fundus für eine Bereitstellung dienen. Da die neuen Systeme Verbesserungen gegenüber älteren Systemen beinhalten, werden sie zuerst den Benutzern zur Verfügung gestellt, die sie am dringendsten benötigen. Im Gegenzug werden die vorherigen PCs dieser Benutzer neu konfiguriert und einer zweiten Benutzergruppe zugeteilt, deren vorherige PCs wiederum einer dritten Gruppe zugeteilt werden usw. Dieses Rotationsverfahren setzt die Existenz eines Labors voraus, in dem die PCs vorbereitet werden. Bei dieser Gelegenheit werden die PCs meist von veralteten Systemkomponenten befreit, was den zukünftigen Benutzern das Gefühl gibt, auf einem brandneuen System zu arbeiten. In diesem Szenario kommt normalerweise die schrittweise Migration (siehe Abbildung 2) zum Einsatz. Sie wird gern von Unternehmen durchgeführt, in denen viele veraltete Programme im Einsatz sind.

Szenario einer schrittweisen Migration

Abbildung 2: Szenario einer schrittweisen Migration

Diese Migrationsart läuft normalerweise in drei Schritten ab:

  1. Das ursprüngliche System wird durchsucht, und Dateien und Einstellungen werden in komprimierter Form in einem Zwischenspeicher abgelegt.

  2. Im zweiten Schritt werden das SOE-Image und die zusätzlich benötigten Anwendungen auf dem neuen Zielsystem installiert.

  3. Am Ende werden auf dem Zielsystem die Benutzereinstellungen wiederhergestellt.

Abbildung 2 zeigt die beiden USMT-Befehle "ScanState" und "LoadState". Der Prozess ist jedoch derselbe, wenn Migration Assistant verwendet wird.

Hinweis:  Obwohl es nicht in jedem Fall erforderlich ist, empfiehlt es sich, vor dem Installieren der Benutzereinstellungen auf dem Zielsystem alle benötigten Anwendungen zu laden.

Verfügt ein Unternehmen bereits über PCs, die das neue Betriebssystem unterstützen, können Remoteinstallationen durchgeführt werden, um die Benutzer möglichst wenig zu stören. In diesem Fall werden vollständige Neuinstallationen bereitgestellt (siehe Abbildung 3). Dieses Verfahren ist normalerweise kostengünstiger, da die neuen Systeme nicht von einem Ort zum anderen transportiert werden müssen.

Szenario einer vollständigen Neuinstallation

Abbildung 3: Szenario einer vollständigen Neuinstallation

Diese Migrationsart läuft normalerweise in drei Schritten ab, die dem vorherigen Verfahren ähneln:

  1. Das System wird durchsucht, und Dateien und Einstellungen werden in komprimierter Form in einem Zwischenspeicher abgelegt.

  2. Im zweiten Schritt wird optional die Festplatte formatiert. Anschließend werden das SOE-Image und die zusätzlich benötigten Anwendungen installiert.

  3. Am Ende werden auf dem System die Benutzereinstellungen wiederhergestellt.

Auch hier zeigt Abbildung 3 die beiden USMT-Befehle, obwohl auch Migration Assistant verwendet werden kann. Verwenden Sie Migration Assistant nur für interaktive Verfahren. Bei automatisierter Migration und einer großen Anzahl von PCs empfiehlt sich das skriptgesteuerte USMT.

Migrationsprozess

Jedes Migrationsverfahren erfordert Planung und Voraussicht. Abbildung 4 zeigt die Planung einer beliebigen Migration. Sie beginnt mit einer gründlichen Bestandsaufnahme des Quell-PCs. Am wichtigsten ist es, die auf dem System installierten Anwendungen festzustellen und zu ermitteln, welche derzeit von den Benutzern des Systems verwendet werden. Bei Unternehmen, die keine moderne Softwareverwaltung oder eine entsprechende Strategie einsetzen, finden sich meist zahlreiche Anwendungen, die nicht mehr in Gebrauch sind. Führen Sie diese Reinigungsaktion durch, bevor Sie mit der Migration beginnen, da sonst möglicherweise überflüssige Daten migriert werden. Bei Anwendungen, die Teil der Migration sind, ist es wichtig, mithilfe von Subject Matter Experts (SMEs) die Komponenten (Einstellungen und Daten) zu überprüfen, die für jede Anwendung migriert werden müssen. Nachdem dies geschehen ist, bereiten Sie ein umfassendes Skript vor, um sicherzustellen, dass alle benötigten Daten erfasst werden. USMT erfasst standardmäßig die Datentypen der meisten Anwendungen. Dennoch kann es in einem Unternehmen maßgeschneiderte Anwendungen geben, die nicht zu diesen Standardtypen gehören. Mithilfe der USMT-Tools können Sie vorhandene Migrationsskripts ändern und aktualisieren oder benutzerdefinierte Skripts erstellen. Testen Sie benutzerdefinierte Skripts, indem Sie eine echte Migration probeweise ausführen. Erfassen Sie Quelldaten, speichern Sie sie in einem Zwischenspeicher (z. B. einer zentralen Dateifreigabe), und stellen Sie sie auf einem anderen System wieder her. Überprüfen Sie auch hier das Ergebnis mithilfe der SMEs. Verbessern Sie den Prozess bei Bedarf, bevor Sie ihn für das Bereitstellungsteam freigeben.

Der Migrationsprozess

Abbildung 4: Der Migrationsprozess

Hinweis:  Die Größe des benötigten Zwischenspeichers hängt von der Speicherstrategie des betreffenden Unternehmens ab. Ein wichtiges Element in diesem Zusammenhang ist beispielsweise der E-Mail-Speicher. Zentral gespeicherte E-Mails reduzieren den Speicheraufwand. Werden E-Mails lokal gespeichert (z. B. in Offline-Speicherdateien), werden die Datenmengen größer. Mobile Benutzer haben normalerweise ein größeres Datenaufkommen als die Benutzer von Workstations. Führen Sie einige Tests durch, und untersuchen Sie das Netzwerk, um den durchschnittlichen Speicherbedarf festzustellen, bevor Sie sich für eine vollständige Migration entscheiden. Für diesen Auswertungstyp unterstützt ScanState eine Option, die nur den Inhalt untersucht und eine Probedatei generiert (usmtsize.txt wird erstellt, wenn Sie ScanState mit der Option /p aufrufen).

 

ScanState komprimiert standardmäßig alle Daten, während sie in den Zwischenspeicher geladen werden. Dies verringert sowohl die benötigte Zeit als auch die Bandbreite. Werden die Daten auf die Zielsysteme übertragen, lädt LoadState den komprimierten Zwischenspeicher und dekomprimiert ihn auf dem Zielcomputer. Sie können ScanState veranlassen, die Daten während des Hochladens nicht zu komprimieren. Diese Möglichkeit sollte jedoch nur zur Fehlersuche eingesetzt werden. Verwenden Sie während der Migration grundsätzlich komprimierte Daten.

Verbesserungen in Windows Vista

Microsoft bietet Migrationstools für viele Windows-Generationen an. Die vorherige Version von USMT (2.6) unterstützte beispielsweise die Migration von Windows XP oder Windows 2000 auf 64-Bit- oder 32-Bit-Versionen von Windows Server 2003 und Windows XP. Die neue Version für Windows Vista, USMT Version 3.0, zeichnet sich durch bedeutende Änderungen und Verbesserungen aus. Hier einige Beispiele:

  • ScanState und LoadState, zwei Befehle, die über einige Schlüsselskripts im XML-Format gesteuert werden.

  • USMT bietet die Möglichkeit, Profile zu verschieben, die mit EFS verschlüsselte Dateien enthalten.

  • Als Quellbetriebssystem sind nur Windows Vista, Windows XP und Windows 2000 erlaubt. Ältere Windows-Versionen werden nicht unterstützt.

  • Als Zielbetriebssystem wird nur Windows Vista und Windows XP unterstützt.

  • Ist das Ziel Windows XP, werden Cookies, Netzlaufwerke und Druckereinstellungen nicht migriert.

  • Ist das Ziel Windows XP und sind Microsoft Outlook Express oder Remote Access Settings installiert, werden nur die Mail-Dateien für Outlook Express und das Telefonbuch für Remote Access Settings migriert. Ist das Ziel Windows Vista, werden alle entsprechenden Einstellungen so migriert, wie es in der Migrationsdokumentation der einzelnen Komponenten beschrieben ist.

Für jeden der beiden Befehle gibt es außerdem neue Funktionen. Weitere Informationen finden Sie unter What’s new in USMT version 3.0 im Artikel "Getting Started with User State Migration Tool 3.0" (in englischer Sprache) auf der Seite http://go.microsoft.com/fwlink/?LinkId=56486.

USMT 3.0 lädt auch Betriebssystemeinstellungen. Wenn das Zielsystem Windows Vista ist, verwendet USMT die Komponentenmanifeste für Windows Vista, um Betriebssystemeinstellungen zu migrieren. Windows Vista erstellt für jede Komponente, die mit dem Betriebssystem geladen wird, eine Manifestdatei. Das bedeutet, dass LoadState unabhängig von den durch ScanState erfassten Einstellungen nur die Einstellungen lädt, für die auf dem Zielcomputer eine entsprechende Manifestdatei existiert. Bei Windows XP-Zielen verwendet USMT das spezielle Skript "MigSys.xml", da diese Windows-Version keine Manifeste beinhaltet.

Hinweis:  In Beta 2 von Windows Vista gibt es nur eine begrenzte Anzahl verfügbarer Manifestdateien. Aus diesem Grund wird auch nur eine begrenzte Anzahl von Betriebssystemkomponenten nach Windows Vista migriert.

XML-Standarddateien für USMT

Zu USMT gehören standardmäßig verschiedene XML-Dateien, die die Migration unterstützen. Die Dateien können an die speziellen Anforderungen eines Unternehmens angepasst werden. Ein wichtiger Unterschied zwischen USMT Version 3.0 und früheren Versionen besteht darin, dass Dateien, die für das Tool ScanState angegeben werden, auch für LoadState angegeben werden müssen. Abhängig vom Migrationsziel (Windows Vista oder Windows XP) werden unterschiedliche Dateien benötigt.

  • Ist das Ziel Windows Vista, verwenden Sie die Dateien MigApp.xml und MigUser.xml. Außerdem kann die Datei Config.xml erstellt oder generiert werden.

  • Ist das Ziel Windows XP, wird als weitere Datei MigSys.xml benötigt.

Jede XML-Datei dient einem bestimmten Zweck.

  • MigApp.xml steuert, welche Anwendungseinstellungen migriert werden. Die in dieser Datei aufgelisteten Anwendungen können in die Migration eingeschlossen oder von ihr ausgenommen werden.

  • MigUser.xml steuert, welche Ordner, Dateien, Dateitypen und Desktopeinstellungen eines Benutzers migriert werden. Die Datei hat keinen Einfluss darauf, welche Benutzer migriert werden.

  • MigSys.xml wird normalerweise nur verwendet, wenn das Ziel Windows XP ist. Die Informationen in dieser Datei steuern, welche Betriebssystem- und Browsereinstellungen migriert werden. Bei Windows Vista-Migrationen verwendet USMT die Repositorys für Windows XP und Windows 2000, um die zu migrierenden Daten zu identifizieren.

  • Config.xml ist eine benutzerdefinierte Datei, die über die spezielle ScanState-Option /genconfig generiert wird. Idealerweise wird die Option verwendet, um eine benutzerdefinierte Konfigurationsdatei zu erstellen, die spezielle Unternehmensanforderungen erfüllt. Ermitteln Sie zuerst alle Anwendungen, die migriert werden sollen. Laden Sie anschließend auf einem System jede dieser Anwendungen. Führen Sie auf diesem System ScanState/genconfig aus, um die Benutzer-, Betriebssystem- und Anwendungseinstellungen zu erfassen, die von jedem Computer des Unternehmens migriert werden sollen. Die Datei wird benötigt, um die Migration von Betriebssystemkomponenten zu steuern, wenn die Quelle oder das Ziel Windows Vista ist. Ist Config.xml nicht vorhanden, migriert USMT alle Standardkomponenten in Windows Vista.

Das XML-Format standardisiert die Interaktion des Administrators mit den beiden USMT-Befehlen und erleichtert etwaige Anpassungen. Weitere Informationen finden Sie unter How to change default behavior im Artikel "Getting Started with User State Migration Tool 3.0" (in englischer Sprache).

Migrationsszenario

Beim Migrieren nach Windows Vista sollten sowohl Unternehmen als auch einzelne Benutzer über ausreichende Migrationserfahrung verfügen, da Migration Assistant und USMT bestimmte Anpassungen erfordern. Die Verwendung von XML-Dateien für USMT stellt eine geeignete Möglichkeit dar, eine Migration anzupassen. Testen Sie die Migration jetzt so ausführlich wie möglich, um sich auf das offizielle Windows Vista-Release vorzubereiten. Die Tests sollten so umfassend und praxisnah wie möglich sein.

Migrationsskript erstellen

Das Erstellen eines USMT-Skripts ist nicht komplizierter als das Erstellen der Datei Config.xml, die die Migration unterstützt. Nachdem Sie die Datei erstellt haben, können Sie sie so ändern, dass bestimmte Elemente in die Migration aufgenommen werden, andere dagegen nicht. Das Format, in dem dies festgelegt wird, ist so einfach wie das Format einer XML-Datei. Für jede Komponente gibt es den Abschnitt migrate =,in dem mithilfe von yes oder no festgelegt wird, ob USMT diesen Abschnitt in die Migration aufnimmt (yes) oder nicht (no).

Nehmen Sie sich für die einzelnen Migrationsdateien ausreichend Zeit. Wegen des reinen Textformats können XML-Dateien in einem Texteditor (z. B. Notepad) bearbeitet werden.

Bereitstellungsverfahren von Windows Vista verwenden

Zusätzlich zu den verbesserten Migrationstools verfügt Windows Vista über neue Funktionen für System-Imaging, Remote-Systeminstallation und verbesserte Bereitstellung von Software. Besonders das Windows Imaging-Format unterstützt erweiterte Bereitstellungsfunktionen durch dateibasiertes Disk-Imaging. Imaging-Dateien können nach der Erfassung als Systemvolumes bereitgestellt und auf einfache Weise bearbeitet werden. Dies erleichtert die Pflege und vermeidet Szenarios, an denen unnötig viele Images beteiligt sind. WIM ermöglicht die Bereitstellung einzelner Images für verschiedene Arten von Computerhardware mit unterschiedlichen Sprachanforderungen und unterstützt das SOE-Konzept in vollem Umfang.

Hinweis: Weitere Informationen über das Windows Imaging-Format finden Sie auf der Microsoft TechNet-Website unter Windows Vista – ImageX und das WIM-Imageformat.

Remotemigrationen mit USMT durchführen

Integrieren Sie die verbesserten Bereitstellungstools von Windows Vista in Ihre Bereitstellungstests, um diese leistungsstarke, neue Technologie in vollem Umfang nutzen zu können. Nehmen Sie insbesondere USMT-Skripts in den Test auf, um herauszufinden, welche Skripts sich für welche Situation am besten eignen. Unternehmen, die Windows XP oder Windows 2000 verwenden, sollten Testumgebungen erstellen, damit sich das technische Personal rechtzeitig mit den Technologien von Windows Vista vertraut machen kann. Unternehmen, die derzeit Microsoft Systems Management Server (SMS) verwenden, können das neue USMT gezielt einsetzen und in SMS Operating System Feature Pack integrieren, um durchgehende Remotebereitstellungen auszuführen.

Zusammenfassung

Mit dem Thema Migration verbinden sich für Unternehmen und Einzelbenutzer meist schmerzliche Erfahrungen. PC Migration Assistant und USMT wurden verbessert und vereinfachen zukünftige Migrationen erheblich. Dennoch gibt es keinen Ersatz für die Methode "Versuch und Irrtum". Besonders Unternehmen sollten für ihre Mitarbeiter die Möglichkeit schaffen, sich mit den neuen Tools auseinander zu setzen, und Migrationsszenarios aufbauen, die ihren Anforderungen entsprechen. Solche Szenarios tragen zu einem reibungslosen Migrationsprozess bei und stellen eine wichtige Vorbereitung auf die offizielle Bereitstellung von Windows Vista dar.

Danielle Ruest and Nelson Ruest
Danielle Ruest and Nelson Ruest (MCSE, MCT, MVP Windows Server) are IT professionals specializing in systems administration, migration, and design. They are authors of multiple books, notably two books published by McGraw-Hill, "Windows Server 2003: Best Practices for Enterprise Deployments", ISBN 0-07-222343-X, and "Windows Server 2003 Pocket Administrator", ISBN 0-07-222977-2, as well as "Preparing for .NET Enterprise Technologies", published by Addison-Wesley, ISBN 0-201-73487-7. They both work for Resolutions Enterprises Ltd. (http://www.reso-net.com/).

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