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Verwaltung der Arbeitsauslastung in Exchange

 

Gilt für: Exchange Server 2013, Exchange Online

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2014-01-21

Bei Exchange-Arbeitsauslastungen handelt es sich um Exchange Server-Funktionen, -Protokolle oder -Dienste, die explizit zum Zweck der Exchange-Systemressourcenverwaltung definiert wurden. Jede Exchange-Arbeitsauslastung nutzt Systemressourcen (z. B. CPU, Vorgänge der Postfachdatenbank oder Active Directory-Anforderungen), um Benutzeranforderungen oder Hintergrundaufgaben auszuführen. Beispiele für Exchange-Arbeitsauslastungen sind Outlook Web App, Exchange ActiveSync, Postfachmigrationen und Postfach-Assistenten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Exchange-Arbeitsauslastungen zu verwalten: Überwachen der Integrität von Systemressourcen oder Steuern, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern genutzt werden (in Exchange 2010 mitunter als Benutzereinschränkung bezeichnet). Die Verwaltung von Arbeitsauslastungen auf Basis der Integrität von Systemressourcen ist eine neue Möglichkeit in Microsoft Exchange Server 2013. Das Festlegen, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern verwendet werden, war bereits in Exchange Server 2010 möglich. Diese Funktion wurde für Exchange Server 2013 erweitert.

Sie können die Einstellungen für die Verwaltung von Arbeitsauslastungen ändern, um das Standardverhalten dieser Funktion auf die Anforderungen Ihrer Umgebung abzustimmen.

Durch die Verwaltung von Exchange-Arbeitsauslastungen können Sie ein zufriedenstellendes Benutzererlebnis gewährleisten und die Ressourcenverwendung verbessern. Wenn sich die Ressourcenintegrität aufgrund einer steigenden Last verschlechtert, verlangsamt Exchange stufenweise die Arbeitsauslastungen mit der geringsten Priorität. So kann Exchange die Integrität der Ressourcen wiederherstellen, ohne dass Arbeitsauslastungen mit hoher Priorität beeinträchtigt werden oder sich dies bei der Benutzerfreundlichkeit bemerkbar macht.

Exchange-Arbeitsauslastungen werden basierend auf der gegenwärtigen Verwendung wichtiger Serverressourcen eingeschränkt. Zum Ermitteln, wann Arbeitsauslastungen eingeschränkt werden müssen, überwacht Exchange die Integrität der folgenden wichtigen Ressourcen:

  • Wartezeit für Active Directory-Replikation

  • CPU-Auslastung des lokalen Servers

  • RPC-Wartezeit für Postfachdatenbanken

  • Replikationsintegrität für Postfachdatenbanken

  • Alter der Inhaltsindizierung für die letzte Benachrichtigung

  • Größe der Warteschlange für Wiederholungsversuche für die Inhaltsindizierung

Durch das Einschränken von Exchange-Arbeitsauslastungen auf Basis der Integrität wichtiger Systemressourcen können Sie Exchange-Ressourcen schützen und deren Verwendung verwalten. Exchange-Arbeitsauslastungen umfassen möglicherweise Hintergrunddienste und asynchrone Dienste wie den Microsoft Exchange-Postfachreplikationsdienst und den Microsoft Exchange-Postfach-Assistentendienst. Wenn sich die Integrität einer Systemressource verschlechtert, werden die Exchange-Arbeitsauslastungen, die von dieser Systemressource abhängen, dynamisch eingeschränkt, um weiterhin eine effiziente Ausführung der Exchange-Vorgänge zu ermöglichen. Durch diese Einschränkung können Benutzer Ressourcen weiterhin ohne bemerkbare Leistungsbeeinträchtigung nutzen. Wenn für Systemressourcen keine Probleme auftreten, können Hintergrundarbeitsauslastungen schneller ausgeführt werden, und die verfügbaren Ressourcen können in vollem Umfang genutzt werden.

Klassifizierung der Arbeitsauslastung

Jeder Exchange-Arbeitsauslastung (z. B. die Arbeitsauslastung des Kalendersynchronisierungs-Assistenten) wird eine Klassifizierung zugewiesen.

Mithilfe von Richtlinieneinstellungen für Arbeitsauslastungen werden die Arbeitsauslastungen in Klassen gruppiert. Durch die Klassifizierung kann sowohl die Priorität als auch die Zielressourcenverwendung gesteuert werden.

Einer Exchange-Arbeitsauslastung kann eine der folgenden Klassifikationen zugewiesen werden:

  • Dringend

  • Kundenerwartung

  • Interne Wartung

  • Nach Ermessen

Wenn sich die Ressourcenintegrität verschlechtert, haben Arbeitsauslastungen in höheren Klassifikationsgruppen Vorrang vor anderen Arbeitsauslastungen. Wenn eine Ressource (z. B. die CPU des lokalen Servers) einen hohen Nutzungswert aufweist, können Arbeitsauslastungen, die als "Interne Wartung" klassifiziert sind, weiterhin ausgeführt werden, während Arbeitsauslastungen, die als "Nach Ermessen" klassifiziert sind, angehalten werden können.

Schwellenwerte für Systemressourcen

Mithilfe von Richtlinieneinstellungen für Ressourcen werden die Schwellenwerte für die Systemintegrität definiert, ab denen ein System als nicht ausreichend ausgelastet oder überlastet gilt bzw. einen kritischen Zustand aufweist.

Exchange umfasst die folgenden Schwellenwerte für Systemressourcen:

  • Nicht ausreichend ausgelastet   Wenn dieser Schwellenwert unterschritten wird, kann die Last der Ressource erhöht werden.

  • Überlastet   Wenn dieser Schwellenwert überschritten wird, muss die Last der Ressource reduziert werden.

  • Kritisch   Wenn dieser Schwellenwert überschritten wird, müssen die Vorgänge für die Ressource angehalten werden.

HinweisAnmerkung:
Wenn für die Ressourcenverwendung ein Wert zwischen "Nicht ausreichend ausgelastet" und "Überlastet" angezeigt wird, hat dies keine Auswirkungen auf die Ressource.

Eine Liste mit Exchange-Arbeitsauslastungen und den in Exchange verwendeten Standardschwellenwerten für Einschränkungen finden Sie unter Referenz für die Verwaltung der Arbeitsauslastung.

Einstellungen für die Verwaltung von Exchange-Arbeitsauslastungen

Exchange-Arbeitsauslastungen werden standardmäßig mithilfe von Standardrichtlinien eingeschränkt. Änderungen an den Einstellungen für das Einschränken von Exchange-Arbeitsauslastungen können auf Server- oder auf Organisationsebene vorgenommen werden. Bearbeiten Sie vorhandene Arbeitsauslastungsrichtlinien, Ressourcenrichtlinien und Richtlinien für die Verwaltung von Arbeitsauslastungen bzw. erstellen Sie diese Richtlinien neu, um Änderungen an den Standardeinstellungen vorzunehmen.

Die Standardeinstellungen für die Verwaltung von Exchange-Arbeitsauslastungen eignen sich in der Regel für die meisten Organisationen. Wenn Sie die Standardrichtlinieneinstellungen für die Verwaltung von Arbeitsauslastungen für alle Server in Ihrer Organisation ändern möchten, nehmen Sie Änderungen am Objekt GlobalOverrideWorkloadManagementPolicy vor. Sie können die Einstellungen für die Richtlinie zur Verwaltung der Arbeitsauslastung in Ihrer Organisation auf Serverbasis ändern, indem Sie benutzerdefinierte Richtlinien zur Verwaltung der Arbeitsauslastung erstellen. Berücksichtigen Sie Folgendes, wenn Sie Richtlinieneinstellungen ändern:

  • Die Einstellungen für die Richtlinie zur Verwaltung der Arbeitsauslastung, die mit der Richtlinie "GlobalOverrideWorkloadManagementPolicy" angewendet werden, haben Vorrang vor den Einstellungen in der Richtlinie "DefaultWorkloadManagementPolicy_<Serverversion>".

  • Richtlinieneinstellungen für die Verwaltung der Arbeitsauslastung, die mithilfe einer benutzerdefinierten Richtlinie für die Verwaltung der Arbeitsauslastung angewendet werden, haben Vorrang vor Einstellungen, die mithilfe der Standardrichtlinie (DefaultWorkloadManagementPolicy_<Serverversion>) oder der Richtlinie für globales Außerkraftsetzen (GlobalOverrideWorkloadManagementPolicy) angewendet werden.

  • Wenngleich Sie die Einstellungen zur Verwaltung von Arbeitsauslastungen für Ihre gesamte Organisation ändern können, indem Sie die Standardrichtlinie zur Verwaltung der Arbeitsauslastung bearbeiten, wird diese Vorgehensweise nicht empfohlen. Der Grund dafür ist, dass die Einstellungen in Standardrichtlinien zur Verwaltung der Arbeitsauslastung durch die Installation von Exchange-Service Packs oder anderen Exchange-Updates überschrieben werden können, wenn diese Pakete Änderungen an Richtlinieneinstellungen für die Verwaltung von Arbeitsauslastungen umfassen.

Konfigurieren Sie die Einstellungen für die Richtlinie zur Verwaltung der Arbeitsauslastung wie folgt:

Die Funktionalität für Einschränkungen wurde in Exchange 2013 erweitert. Mit diesen Erweiterungen wird sichergestellt, dass eine übermäßige Ressourcenverwendung durch einzelne Benutzer die Serverleistung oder die Benutzerfreundlichkeit nicht beeinträchtigt.

Mithilfe der Benutzereinschränkung in Exchange 2013 können Benutzer die Ressourcenverwendung für kurze Zeiträume erhöhen, ohne dass sich dabei die Bandbreite reduziert. Außerdem wird für Benutzer, die eine äußerst große Ressourcenmenge verwenden, selten oder nie eine vollständige Sperrung vorgenommen. Anstatt einen Benutzer vollständig daran zu hindern, Vorgänge auszuführen, wird eine Einschränkung vorgenommen, sodass Vorgänge für kurze Zeiträume verzögert werden (Sie können sich diese Verzögerungen als „Mikroverzögerungen“ vorstellen). Diese Maßnahmen werden ergriffen, bevor die Serverleistung in erheblichem Maße beeinträchtigt wird.

Besondere Funktionsmerkmale

Im Folgenden wird hervorgehoben, wie Exchange die Ressourcenverwendung durch einzelne Benutzer in Exchange 2013 steuert:

  • Burststeigerung   Durch Burststeigerungen können Benutzer die Ressourcenverwendung für eine kurze Zeitdauer erhöhen, ohne dass eine Einschränkung vorgenommen wird.

  • Regenerationsrate   Über die Regenerationsrate wird die Ressourcenverwendung Ihrer Benutzer mithilfe eines Ressourcenbudgetsystems verwaltet. Sie können die Rate festlegen, bei der die Ressourcenbudgets Ihrer Benutzer erneut gefüllt werden. Ein Wert von 600.000 Millisekunden gibt z. B. an, dass die Budgets der Benutzer bei einer Nutzungsrate von zehn Minuten pro Stunde erneut mit einem gefüllt werden.

  • Traffic-Shaping   Wenn die Ressourcenverwendung eines Benutzers den konfigurierten Grenzwert für eine längere Zeitdauer erreicht, treten für den Benutzer rechtzeitig für kurze Zeiträume Verzögerungen auf, um eine signifikante Leistungsbeeinträchtigung für den Server zu verhindern. Diese „Mikroverzögerungen“ sind für Benutzer üblicherweise nicht bemerkbar. Durch diesen Vorgang kann Exchange 2013 ein effizientes Traffic-Shaping durchführen, ohne die Benutzer daran zu hindern, produktiv zu sein. Traffic-Shaping hat weniger Auswirkungen auf Ihre Benutzer als eine frühzeitige Sperrung und senkt das Risiko einer Sperrung deutlich.

  • Maximale Verwendung   In seltenen Fällen verwendet ein Benutzer für einen kurzen Zeitraum möglicherweise eine äußerst große Menge an Ressourcen. Als Vorsichtsmaßnahme kann ein Benutzer, der einen Schwellenwert für die maximale Verwendung erreicht, vorübergehend gesperrt und an der Verwendung von Ressourcen gehindert werden. Die Sperrung von Benutzern, die vorübergehend an der Verwendung von Ressourcen gehindert werden, wird aufgehoben, sobald die Budgets der Benutzer erneut gefüllt sind.

Eine Liste der Cmdlets zum Festlegen, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern verwendet werden, finden Sie unter "Cmdlets zum Festlegen, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern verwendet werden" weiter unten in diesem Thema.

Überlegungen zur Einschränkungsfunktionalität und Bereitstellung von Exchange 2013

Unabhängig davon, ob Sie eine Neuinstallation von Exchange 2013 durchführen oder Exchange 2013 in einer Koexistenzumgebung mit Exchange 2010-Computern installieren, wird die neue Einschränkungsfunktionalität aus Exchange 2013 für alle Benutzer mit Postfächern auf Computern angewendet, auf denen Exchange 2013 ausgeführt wird. Für Exchange 2010-Postfächer werden jedoch die Einschränkungen der Exchange 2010-Einschränkungsfunktionalität angewendet, wenn die Benutzer über Exchange 2010-Clientzugriffsserver auf ihre Postfächer zugreifen.

Bei der Installation von Exchange 2013 in einer Koexistenzumgebung versucht der Exchange 2013-Installationsvorgang möglicherweise, einige Einschränkungseinstellungen aus der Exchange 2010-Konfiguration zu übernehmen. Die Exchange 2013-Einschränkungsfunktionalität unterscheidet sich jedoch so grundlegend, dass ältere Einschränkungseinstellungen im Allgemeinen keine Auswirkungen auf die Funktionsweise von Einschränkungen in Exchange 2013 haben.

Verwalten von Einschränkungsrichtlinien mithilfe von Bereichen

Vergleichbar mit Exchange 2010 gibt es in Exchange 2013 eine einzige Standardeinschränkungsrichtlinie. In Exchange 2013 lautet der Name der Standardeinschränkungsrichtlinie GlobalThrottlingPolicy. Dieser Richtlinie ist der Bereich Global zugewiesen. Zusätzlich sind für Benutzereinschränkungen die Bereiche Organization und Regular verfügbar. Aufgrund der Einführung von Bereichszuweisungen für Exchange 2013-Benutzereinschränkungsrichtlinien werden Einschränkungsrichtlinien nun auf andere Weise verwaltet als in Exchange 2010. Über GlobalThrottlingPolicy werden die grundsätzlichen Standardeinschränkungseinstellungen für alle neuen und vorhandenen Benutzer in Ihrer Organisation definiert, sofern Sie nicht über angepasste Einschränkungsrichtlinien für Ihre Organisation verfügen. In vielen typischen Exchange-Bereitstellungsszenarien ist GlobalThrottlingPolicy für die Verwaltung Ihrer Benutzer geeignet.

Es wird dringend davon abgeraten, GlobalThrottlingPolicy zu ändern, um Einschränkungseinstellungen anzupassen. Erstellen Sie stattdessen zusätzliche Einschränkungsrichtlinien. Durch das Erstellen zusätzlicher Einschränkungsrichtlinien lassen sich Ihre Arbeitsauslastungen besser verwalten. Darüber hinaus wird verhindert, dass Änderungen an den Einschränkungsrichtlinieneinstellungen durch zukünftige Exchange 2013-Updates überschrieben werden.

Wenn Sie die Einschränkungseinstellungen für alle Benutzer in Ihrer Organisation anpassen möchten, erstellen Sie eine neue Einschränkungsrichtlinie mit der Bereichszuweisung Organization. In neuen Richtlinien mit dem Bereich "Organization" sollten lediglich die Einschränkungseinstellungen festgelegt werden, die nicht mit GlobalThrottlingPolicy identisch sind. Wenn Sie die Einschränkungseinstellungen für spezifische Benutzer in Ihrer Organisation anpassen möchten, erstellen Sie eine neue Einschränkungsrichtlinie mit der Bereichszuweisung Regular. In neuen Richtlinien mit dem Bereich "Regular" sollten lediglich die Einschränkungseinstellungen festgelegt werden, die nicht mit GlobalThrottlingPolicy und anderen Organisationsrichtlinien identisch sind. So können die übrigen Richtlinieneinstellungen von GlobalThrottlingPolicy geerbt werden, und Sie profitieren von Aktualisierungen an den Einschränkungsrichtlinien, die in zukünftigen Exchange-Updates hinzugefügt werden.

Einschränkungseinstellungen für Arbeitsauslastungen werden mithilfe der Exchange-Verwaltungsshell verwaltet.

Cmdlets zum Einschränken von Arbeitsauslastungen, indem die Integrität von Systemressourcen überwacht wird

Zur Verwaltung der Einschränkungseinstellungen für Arbeitsauslastungen werden die folgenden Cmdlets verwendet:

Ressourcenrichtlinien

  • New-ResourcePolicy

  • Remove-ResourcePolicy

  • Get-ResourcePolicy

  • Set-ResourcePolicy

Ressourcenrichtlinien

  • New-WorkloadManagementPolicy

  • Remove-WorkloadManagementPolicy

  • Get-WorkloadManagementPolicy

Richtlinien für Arbeitsauslastungen

  • New-WorkloadPolicy

  • Remove-WorkloadPolicy

  • Get-WorkloadPolicy

  • Set-ResourcePolicy

Cmdlets zum Festlegen, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern verwendet werden

Einschränkungseinstellungen werden mit den folgenden Cmdlets verwaltet, die in Exchange 2010 eingeführt wurden:

Verwalten von Einschränkungsrichtlinien

  • New-ThrottlingPolicy

  • Get-ThrottlingPolicy

  • Set-ThrottlingPolicy

  • Remove-ThrottlingPolicy

Zuweisen von Einschränkungsrichtlinien

  • Get-ThrottlingPolicyAssociation

  • Set-ThrottlingPolicyAssociation

Informationen zu den Cmdlets, mit denen festgelegt wird, wie Ressourcen von einzelnen Benutzern verwendet werden, finden Sie unter "Verwalten von Exchange-Arbeitsauslastungen" im Thema Serverstatus-, Überwachungs- und Leistungs-Cmdlets.

 
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