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Bewerten und Mildern von Kompatibilitätsproblemen mithilfe des Microsoft Application Compatibility Toolkits

Veröffentlicht: 8. März 2011

Eine der Schwierigkeiten bei der Bereitstellung eines neuen Betriebssystems lag schon immer in der Anwendungskompatibilität. Natürlich gibt es noch weitere Probleme, doch die Frage der Anwendungskompatibilität kann jeden IT-Profi in Angst und Schrecken versetzen. Daher könnten Sie etwa folgende Fragen stellen: Wie gehe ich mit Kompatibilitätsproblemen um? Gibt es Tools, die helfen können? Soll ich mich für einen neuen Job bewerben? Möglicherweise werden Sie sehr erleichtert sein, wenn Sie diesen Artikel weiterlesen, denn wir werden uns hier speziell mit diesen Kompatibilitätsproblemen befassen.

Was muss ich tun?

Das ist eigentlich ziemlich einfach. Hier finden Sie eine Liste der vorgeschlagenen Schritte:


Installieren von Microsoft Application Compatibility Toolkit

Richten Sie einen Server ein, oder verwenden Sie einen vorhandenen Server, auf dem das Windows Server-Betriebssystem ausgeführt wird, und installieren Sie das ACT. Der Server muss online und verfügbar sein, während die Computer die Bestandsdaten zurücksenden. Manchmal habe ich meinen eigenen Laptop verwendet, manchmal verwenden wir den Server mit Microsoft System Center Configuration Manager und manchmal Microsoft Deployment Services in Windows Server oder das Microsoft Deployment Toolkit (MDT).

Die Installation ist sehr einfach. Klicken Sie einfach auf "Weiter", bis Sie auf "Fertig stellen" klicken können. Es muss jedoch beachtet werden, dass zum Herunterladen und Ausführen des ACT neben Windows Server auch Microsoft SQL Server oder Microsoft SQL Server 2008 Express Edition erforderlich ist, ebenso wie Microsoft .NET Framework. Nachdem Sie ACT installiert haben, müssen Sie es konfigurieren.

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Konfigurieren von Application Compatibility Manager im ACT

  1. Öffnen Sie Application Compatibility Manager über das Startmenü. Sie müssen eine Verbindung mit einer Datenbank herstellen, und Sie benötigen eine Dateifreigabe und ein Konto. Nachdem Sie auf "Weiter" geklickt haben, wählen Sie "Unternehmenskonfiguration" aus, und klicken Sie erneut auf "Weiter".

  2. Screenshot des ACT-Konfigurations-Assistenten
  3. An dieser Stelle geben Sie Ihre Datenbank-Konfiguration an. Wählen Sie Ihre Datenbank aus, und klicken Sie nacheinander auf "Erstellen" und auf "Weiter".

  4. Screenshot der ACT-Datenbankkonfiguration
  5. Geben Sie den Ordner frei, in dem die zurückgegebenen Daten gesammelt werden sollen. Möglicherweise müssen Sie die Berechtigungen für die Freigabe sowie die NTFS-Berechtigungen ändern, vor allem dann, wenn Computer, die keiner Domäne angehören, ihre Dateien an diesen Ort hochladen können sollen.

  6. Screenshot der ACT-Logdateikonfiguration
  7. Geben Sie im nächsten Bildschirm des Assistenten das zu verwendende Konto an. Hierbei wähle ich in der Regel das lokale Systemkonto aus.

  8. Screenshot der ACT-Logdatei
  9. Klicken Sie auf "Fertig stellen". Die ACT-Konfiguration ist nun abgeschlossen.

Beim Erstellen eines Pakets können Sie sogenannte "Auswerter" verwenden. Diese sind sehr nützlich, da sie im Client integriert sind und das Verhalten der Anwendung überwachen. Zwar benötigen wir diese Funktion jetzt nicht, aber es ist sinnvoll, zu wissen, was in den Clients enthalten ist. Möglicherweise fragen Sie sich, warum wir nicht einfach den Kunden fragen. Das tun wir immer, aber bisher bin ich noch keinem Kunden begegnet, der genau über den Inhalt von älteren Clients Bescheid gewusst hätte. Die meisten Kunden sagen, dass sie mehr oder weniger nur über Grundfunktionen verfügen. Sie haben Microsoft Office, einige Branchenanwendungen, und das war es dann auch schon.

Aber natürlich können wir uns in diesem Punkt nie sicher sein. Wenn mir der Kunde einige Anwendungen nennt, multipliziere ich diese Anzahl normalerweise mindestens mit 10. Mit Raten ist es nicht getan. Wissen ist viel besser, und eben aus diesem Grund verwenden wir das ACT.

Erstellen wir nun also das Bestandspaket.

  1. Klicken Sie im ACT auf "Sammeln", und doppelklicken Sie dann, um ein Paket zu erstellen.

  2. Screenshot des ACT-Bestandspakets
  3. Klicken Sie auf "Erweitert", um nicht benötigte Auswerter zu deaktivieren. Achten Sie darauf, dass "Inventory Collector" ausgewählt ist.

  4. Screenshot des ACT-Inventory Collector
  5. Speichern Sie das Paket, und führen Sie es auf den Clients aus, für die eine Anwendungsbestandsaufnahme durchgeführt werden soll. Wählen Sie "File - Save and Create a Data Collection Package" (Datei – Datensammlungspaket speichern und erstellen) aus. Damit ist das Verfahren abgeschlossen.

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Bereitstellen des Pakets

Zur Bereitstellung des Pakets können Sie mehr oder weniger jede Methode nutzen, z. B. per Skript, Active Directory, System Center Configuration Manager, Microsoft System Center Essentials oder sogar per Clientcomputer.

Da Sie ein MSI-Standardpaket erstellt haben, können Sie es automatisch über msiexec /I inventorypackage.msi /qn ausführen. Bei einigen Kunden habe ich auf dem Computer, auf dem auch das ACT installiert und der Ordner "ACTLog" freigegeben wurde, einfach einen neuen Ordner mit der Bezeichnung "ACTPackages" erstellt und diese Freigabe dann zur Bereitstellung von inventorypackage.msi genutzt.

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Warten, während Informationen gesammelt werden

Die Sammlung von Informationen kann einige Zeit dauern, aber wenn Sie vermuten, dass ein Problem vorliegt, öffnen Sie den Ordner "ACTlog". Wenn der Ordner leer ist, hat der Computer die Inventur noch nicht erstellt. Wenn im Ordner Dateien enthalten sind, aber keine Ordner, gehe ich davon aus, dass der Logprozessor deaktiviert ist. Sie müssen den Dienst also starten.

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Erstellen eines Berichts zum vorhandenen Bestand

Wechseln Sie in Microsoft Application Compatibility Manager zur Analysefunktion. Ihr Bildschirm sollte in etwa wie folgt aussehen:


Screenshot des ACT-Berichts

Wenn Sie einen Bericht dieser Analyse erstellen möchten, wählen Sie auf der Menüleiste "Bericht exportieren" aus. An dieser Stelle ist es am wichtigsten, Anwendungen loszuwerden, die Sie nicht wirklich benötigen. Sie sollten also zunächst für jede der Anwendungen Prioritäten setzen. Sie können folgende Einstellungen vornehmen:

  • Priorität 1 Geschäftskritisch
  • Priorität 2 Wichtig
  • Priorität 3 - Von Vorteil
  • Priorität 4 Unwichtig

Nun können wir einen Filter erstellen und mit der Arbeit an der geschäftskritischen "Materie" beginnen.

Mein Rat an dieser Stelle: Dies ist eine optimale Gelegenheit, altes "Gerümpel" zu entsorgen. Fragen Sie die Kunden, ob sie wirklich jede einzelne Anwendung brauchen. In vielen Fällen nämlich sind ältere Anwendungen als Feature in einer anderen Anwendung enthalten. Je weniger Anwendungen für die Arbeit, desto besser für alle Beteiligten.

Wenn Sie "Filter umschalten" ausgewählt und einen Vorgang unter "Senden und Empfangen" abgeschlossen haben, sieht Ihr Bildschirm etwa folgendermaßen aus.


Screenshot des umgeschalteten ACT-Berichts

Wie Sie sehen, verfügt eine der Anwendungen über eine "Herstellerbewertung". Das ist von Vorteil, da es bedeutet, dass die Anwendung laut Hersteller funktioniert. Die übrigen Anwendungen verfügen über eine "Communitybewertung". Sie werden feststellen, dass bei einigen Anwendungen mindestens 25 Personen sagen, sie funktioniert, bei einigen findet sich niemand, der dies sagt, aber zumindest hat niemand behauptet, die Anwendung insgesamt würde überhaupt nicht funktionieren.

In diesem Fall würde ich nur drei Anwendungen testen, mich zuvor aber an die Hersteller wenden und diese fragen. Vor einiger Zeit haben wir bei einem Kunden eine Inventur an über 5.000 Anwendungen durchgeführt, und erst nach endlosen Diskussionen konnten wir genau feststellen, welche Anwendungen tatsächlich geschäftskritisch waren. Anschließend nahmen wir eine Bewertung mithilfe des ACTs vor, verwendeten Filter und führten einen "Senden und Empfangen"-Vorgang durch. Und nun raten Sie, was passiert ist! Sobald alles erledigt war, mussten wir nur noch ungefähr 110 Anwendungen testen, im Vergleich zu den ursprünglichen 5.000.

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Testen der Anwendungen

Beim Testen von Anwendungen ist es vor allem wichtig, klug vorzugehen. Sie können nicht alles über jede Anwendung wissen, daher müssen Sie die Grundlagen testen. In der ersten Testrunde müssen Sie lediglich feststellen, ob die Anwendung sofort funktioniert, ob sie unbrauchbar ist oder ob sie repariert werden kann. Sie benötigen außerdem ein Testmuster. Im Folgenden finden Sie ein einfaches Testmuster, das Sie nutzen können:

  • Kann die Anwendung installiert werden?
  • Startet sie?
  • Kann ich die einzelnen Elemente öffnen?
  • Kann ich Daten speichern?
  • Kann ich Daten verschieben?
  • Kann ich drucken?

Wenn alle diese Aktionen problemlos ausgeführt werden können, sollten Sie dem Kunden mitteilen, dass die Anwendung erfolgreich getestet wurde und nun in die Pilotphase eintreten kann.

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Zusammenfassen der Anwendungen zu Paketen

Die Anwendungen müssen in irgendeiner Weise automatisch installierbar sein. Wenn die Anwendung jedoch in Windows XP nur unter Schwierigkeiten ausgeführt werden konnte (z. B. weil kein Installationsprogramm vorhanden oder die Wartung problematisch war), sollten Sie wahrscheinlich davon absehen, die Anwendung in derselben Weise bereitzustellen. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit, dieses Problem zu lösen. Ich habe mich mit allen möglichen Arten von Anwendungen beschäftigt und muss sagen, dass einige davon niemals hätten verwendet werden dürfen, obgleich sie bei den Kunden sehr beliebt sind. Aber ich weiß, dass der Computer später wieder bereitgestellt werden muss, entweder auf derselben Version des Betriebssystems Windows oder auf einer Nachfolgerversion.

  • Stellen Sie die Anwendung als veröffentliche Anwendung in Remotedesktopdiensten (RDS) bereit. Das Problem besteht nach wie vor, ist aber jetzt aus Ihrer Perspektive als lokal einzustufen.
  • Stellen Sie die Anwendung mit Microsoft Application Virtualization (App-V) bereit. Ja, Sie haben richtig gehört. App-V hat einen wirklich praktischen Objekt-Manager, der virtualisiert ist. Auf diese Weise verfahren wir mit vielen LOBs, die nicht wissen, wie sie sich richtig "verhalten" sollen, und ich freue mich immer, wenn es funktioniert.
  • Stellen Sie die Anwendung mithilfe von Microsoft Enterprise Desktop Virtualization (MED-V) im Windows XP-Modus bereit. Nein, dies ist sicher keine perfekte Lösung, aber wenn die einzige Alternative darin besteht, die Anwendung auf 2.000 Computern in 13 verschiedenen Ländern manuell zu installieren, entscheide ich mich jederzeit gerne für MED-V.

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Beachtenswertes

Was Sie auf jeden Fall beachten sollten, sofern Sie es nicht schon getan haben: Für jede Anwendung gilt, dass Sie diese über die Zeit pflegen müssen. Dies bedeutet Updates, Patches und das erneute Testen von Paketen, wenn Sie neue Abbilder erstellen. Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist, wenn es um die Bereitstellung geht. Je weniger unterschiedliche Hardwaretypen, Betriebssysteme und Anwendungen, und je weniger beteiligte Personen, desto einfacher wird die Bereitstellung.

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Der Autor

Mikael Nystrom – Foto Mikael Nystrom ist Microsoft MVP, Microsoft Certified Trainer und Mitglied im Springboard Series Technical Expert-Programm (STEP). Sein Schwerpunkt liegt auf Bereitstellung, Virtualisierung und Verwaltung. Er war an Technology Adoption-Programmen (TAPs) für mehrere Produkte und Technologien von Microsoft beteiligt, darunter Windows Server, Hyper-V und Windows 7.

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Redner, Schulungsleiter und Berater verfasst Mikael häufig Beiträge zu technischen Neuigkeiten und Einsichten in seinem  Blog und auf  Twitter.

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