Die Migration von Betriebssystemen gehört zu den Aufgaben, die die meisten von uns so lange wie möglich zu vermeiden suchen. Im Gegensatz zu einer neuen Anwendung hat das Betriebssystem Auswirkungen auf alle Aspekte der PC-Umgebung. Die Migration kann ein anstrengender und zeitaufwändiger Prozess sein. Da die gesamte PC-Umgebung betroffen ist, muss jedes Element getestet werden, und neben gründlicher Planung ist umfassende Kommunikation erforderlich. Kein Wunder, dass sogar die erfahrensten IT-Experten gerne anderen den Vortritt lassen würden, damit diese sich mit den Problemen herumschlagen. Da das Betriebssystem jedoch das Rückgrat der PC-Umgebung ist, lässt sich die gelegentliche Aktualisierung der Umgebung nicht vermeiden. Windows Vista ist das erste PC-Betriebssystem mit Infrastrukturverwaltung als zentraler Funktion. Obwohl der Migrationsprozess sicher nicht problemlos verläuft, ist zu erwarten, dass sich die Mühe langfristig lohnt. Dieses Dokument soll bei der Bewältigung einiger der schwierigsten Aspekte im Zusammenhang mit der Einführung und Bereitstellung von Vista in Organisationen helfen. Wir machen kein Hehl daraus: Windows Vista enthält im Vergleich zu Windows XP einige wesentliche Änderungen. Folglich werden wahrscheinlich Probleme auftreten. Wir haben jedoch die Praxiserfahrungen in Organisationen, die Windows Vista bereits eingeführt haben, gesammelt, und sowohl die Probleme als auch effektive Lösungen in einem wirklichkeitsnahen Szenario zusammengetragen. Problem Nr. 1: Hardwarekompatibilität Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Im Vergleich zu früheren Versionen erfordert Windows Vista ziemlichleistungsfähige Hardware, um ordentlich ausgeführt werden zu können, insbesondere dann, wenn Sie die erweiterten visuellen Effekte der Windows Aero™-Benutzeroberfläche nutzen möchten. Die erklärten Mindestanforderungen sind zwar mäßig (512 MB RAM), in der Praxis stellen die meisten Benutzer jedoch fest, dass ein PC mit Windows Vista etwa 2 GB RAM, eine ziemlich gute Videokarte und einen Dual-Core-Prozessor erfordert. Umgang mit dem Problem Der erste Schritt besteht im Herunterladen und Ausführen von Windows Vista Upgrade Advisor oder (wenn Sie mehrere Systeme evaluieren) des Tools für die Windows Vista-Hardwarebewertung (WVHA). Der Update Advisor gibt Hinweise zur Kompatibilität eines einzelnen eigenständigen Systems und erstellt einen Bericht mit umfassenden Informationen zum Kompatibilitätsstatus Ihrer Hardware und Software (siehe Abbildung 1). 1Auf Grundlage von 155 Teilnehmern am TAP-Programm von Microsoft .gif) Abbildung 1. Ergebnisse von Windows Vista Upgrade Advisor
WVHA ist ein Inventur-, Bewertungs- und Berichterstattungsprogramm, das Feedback von Erstanwendern aus dem IT-Bereich berücksichtigt. Mithilfe des Programms können Sie Computer in einem Netzwerk suchen und feststellen, ob diese zur Ausführung von Windows Vista bereit sind. Der Assistent zur Windows Vista-Hardwarebewertung generiert benutzerdefinierte Berichte, die sowohl allgemeine als auch detaillierte Bewertungsergebnisse enthalten. Er bietet eine grundlegende Einschätzung, welche PCs für Windows Vista bereit sind und für welche PCs Änderungen oder ein anderer Bereitstellungsansatz erforderlich sind. In den meisten Fällen ist es wahrscheinlich klug, für die Einführung von Vista eine Hardwareaktualisierung zu planen. Identifizieren Sie die Benutzergruppen, die von Windows Vista am meisten profitieren (in der Regel Benutzer mobiler Geräte und Büroanwender), konzentrieren Sie sich bei der Bereitstellung neuer Hardware mit dem verfügbaren Budget auf diese Gruppen, und planen Sie die Migration dieser Gruppen in verschiedenen Phasen. Wenn das Hardwarebudget es später zulässt und ältere PCs das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen, können Sie die Migration der übrigen Geräte durchführen, bei denen der Bedarf derzeit nicht akut ist. Windows Vista kann mit Windows XP koexistieren, denselben Windows Server-Domänen beitreten sowie Gruppenrichtliniensteuerung für die Konfiguration und Verwaltung akzeptieren. Mit einer wachsenden Zahl aktualisierter Systeme, und wenn Windows XP schließlich allmählich abgelöst wird, können ältere Windows XP-Gruppenrichtlinieneinstellungen aus Active Directory entfernt werden. Unter bestimmten Umständen sind die Sicherheits- und Verwaltungsaspekte von Windows Vista besonders gut für die Umgebung geeignet und bieten einen Grad der Kontrolle, der in Windows XP nicht verfügbar ist. So erhalten zum Beispiel IT-Manager bei der Verwaltung von Callcentern und Einzelhandelsfilialen in einer gesperrten Umgebung die Kontrolle, die Sie zum Vermeiden von Störungen und zum Sicherstellen der Produktivität der Endbenutzer benötigen. Mit seiner erweiterten Gruppenrichtlinienfunktion ermöglicht Windows Vista eine präzisere Kontrolle als Windows XP über Einstellungen und Konfigurationen, einschließlich der Energieverwaltung. In diesen Fällen sind die Kosten der Aktualisierung der Hardware (gewöhnlich RAM) durch den Gewinn größerer Produktivität und Sicherheit gerechtfertigt. Eine wirksame Möglichkeit, die Hardwareanforderungen für Windows Vista zu umgehen, besteht darin, den PC als Terminal oder Thin Client zu behandeln und die Verarbeitung auf einem zentralen Server zu hosten. Dies ermöglicht es einem Benutzer, auf einen virtuellen Windows Vista-Desktop und eine x86-basierte Windows-Anwendung über Hardware zuzugreifen, die die Software nicht lokal ausführen kann. Dieser Ansatz kann als kurzfristige Lösung dienen, bis leistungsfähigere PCs verfügbar sind, gibt Endbenutzern jedoch die Möglichkeit, weiterhin mit der vorhandenen Hardware und den bestehenden Anwendungen zu arbeiten. Problem Nr. 2: Geschäftsanwendungen Anwendungskompatibilität gehört bei der Migration zu einem neuen Betriebssystem zu den wirklich schwierigen Herausforderungen. Die meisten Anwendungen, die für Windows XP geschrieben wurden, funktionieren gut in Windows Vista. Allerdings gibt es eine Reihe geschäftskritischer Anwendungen, die ein Update benötigen, um ordnungsgemäß arbeiten zu können. Auf den ersten Blick mag dies wie ein Hindernis für die Einführung von Windows Vista erscheinen. Mehrere Verfahren, die von Erstanwendern eingesetzt wurden, geben jedoch wichtige Hinweise darauf, wie Sie diese Hindernisse überwinden und die Bereitstellung fortsetzen können. Umgang mit dem Problem Der erste Schritt besteht in der gründlichen Inventur des Anwendungsportfolios und dem Ermitteln des Status jeder Anwendung. Microsoft hat das Anwendungskompatibilitäts-Toolkit (Application Compatibility Toolkit, ACT) entwickelt, um Sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Mit diesem Tool können Sie folgende Aufgaben ausführen: - Analysieren des Portfolios der Anwendungen, Websites und Computer
- Beurteilen der Auswirkungen von Windows Vista auf diese Anwendungen und Websites
- Setzen von Prioritäten bei den Bemühungen um Anwendungskompatibilität
- Bereitstellen automatisierter Korrekturmaßnahmen für bekannte Kompatibilitätsprobleme
Das Anwendungskompatibilitäts-Toolkit ermöglicht es Ihnen außerdem, aktuelle Kompatibilitätsinformationen zu senden und von Application Compatibility Exchange zu empfangen. Application Compatibility Exchange ist ein Webdienst, der Informationen von Microsoft, ISVs und der ACT-Community bezieht. Darüber hinaus hat Microsoft die Application Compatibility Factory (ACF) geschaffen, die eine Verbindung zwischen Unternehmenskunden und ausgewählten Partnern herstellt, die eine kostengünstige Anwendungskompatibilität im High-Volume-Bereich sowie Wartungsdienste anbieten. Der nächste Schritt besteht darin, sich mit den kritischen Anwendungen zu befassen, die zum Zeitpunkt der gewünschten Bereitstellung von Windows Vista nicht kompatibel sein werden. Einige Organisationen, die dieses Problem bereits lösen konnten, haben eine virtualisierte Instanz eines kompatiblen Betriebssystems (z. B. Windows 2000 oder Windows XP) erstellt, die auf einem Windows Vista-PC mit Microsoft Virtual PC 2007 gehostet wird. Problem Nr. 3: Intern entwickelte Anwendungen Bei Branchenanwendungen, die vom innerbetrieblichen Entwicklungsteam erstellt wurden, könnten Durchlaufzeiten und Ressourcen ein Hindernis für die Verfügbarkeit kompatibler Versionen bei der Bereitstellung von Windows Vista bilden. Das Problem ähnelt dem zuvor beschriebenen. Da die Lösung jedoch von internen Ressourcen abhängig ist, ist hier ein anderer Ansatz erforderlich. Umgang mit dem Problem Der wichtigste Schritt besteht darin, das interne Entwicklungsteam frühzeitig in die Bereitstellungsplanung für Windows Vista einzubeziehen. Dieses Team muss die Versionsaktualisierung in die Projektpläne integrieren und entsprechend dem Entwicklungszeitplan sobald wie möglich damit beginnen. Den Ausgangspunkt bildet wieder das Anwendungskompatibilitäts-Toolkit. ACT 5.0 ermittelt nicht nur die internen Anwendungen und Websites, die nicht funktionieren oder bei denen kleinere Probleme oder auch keine Probleme auftreten, sondern bietet darüber hinaus neue Tools, mit denen Entwickler Setuppakete, Websites und Webanwendungen mit Windows® Internet Explorer 7 testen und Probleme beim Ausführen als Standardbenutzer in Windows Vista ermitteln können. Problem Nr. 4: Benutzerkontensteuerung Wir alle haben bereits von bestimmten Schwierigkeiten mit dem neuen Sicherheitsfeature von Windows Vista gehört: der Benutzerkontensteuerung. Diese Funktion soll Malware am Eindringen in den PC eines Benutzers hindern. Apple Computer hat sich in einem Werbespot mit dem „PC Guy“ sogar über die Funktion lustig gemacht. Die Benutzerkontensteuerung ist jedoch ein leistungsfähiges neues Sicherheitsfeature, das IT-Experten letzten Endes dabei unterstützt, die PC-Umgebung besser zu kontrollieren. Da von allen Benutzern die Ausführung im Standardbenutzermodus erfordert wird, minimiert Windows Vista die Möglichkeit, dass Benutzer ohne explizite Zustimmung Änderungen vornehmen können, die möglicherweise ihre Computer destabilisieren oder das Netzwerk versehentlich Viren aussetzen. So wird die Zahl der dringenden Anfragen beim Helpdesk verringert, die Auswirkungen von Malware werden gemindert und vertrauliche Daten auf freigegebenen Computern werden geschützt. Die Herausforderung für IT-Experten besteht darin, dass einige Prozesse vieler älterer Anwendungen Administratorrechte erfordern. Softwareentwickler gingen davon aus, dass ihre Programme in der Lage sein mussten, auf alle Dateien, Registrierungsschlüssel oder Betriebssystemeinstellungen zuzugreifen und diese zu ändern. Um Unterbrechungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass Anwendungen reibungslos funktionieren, ist ein Eingreifen erforderlich, um diese Anwendungen für den Betrieb im Standardbenutzermodus zu konfigurieren. Umgang mit dem Problem Zwei Aspekte sind für die Vermeidung von Problemen mit der Benutzerkontensteuerung wichtig: Die Schulung der Endbenutzer im Umgang mit Eingabeaufforderungen dieser Funktion und die Konfiguration von Anwendungen für die Ausführung im Standardbenutzermodus. Windows Vista ermöglicht diesen Legacyanwendungen durch die Dateisystem- und Registrierungsnamespacevirtualisierung, unter Standardbenutzerkonten ausgeführt zu werden. Von Microsoft wird bei der Konfiguration von Legacyanwendungen empfohlen, dass durch Installationsprogramme für globale Anwendungen, die erwarten, mit Administratorrechten ausgeführt zu werden, ein separates Verzeichnis erstellt wird, um die ausführbaren Dateien und die Hilfsdateien ihrer Anwendung darin zu speichern und einen Schlüssel für ihre Anwendungseinstellungen zu erstellen. Eine ausführliche Beschreibung dieses Prozesses finden Sie im TechNet Magazine-Artikel Die Benutzerkontensteuerung von Windows Vista. Problem Nr. 5: Vorbereitung der Endbenutzer Wir wissen, es ist unvermeidlich: Wenn Sie die PC-Umgebung, in der Endbenutzer arbeiten, ändern, sind jede Menge Anfragen beim Helpdesk und Verwirrung unter den technisch weniger erfahrenen Mitarbeitern in Ihrer Organisation die Folge. Aufgaben, die früher vertraut waren, werden nun anders gelöst. In den meisten Fällen sind die Änderungen geringfügig, einigen Benutzern fordert der Lernprozess jedoch viel ab. Selbstverständlich wurden die Änderungen auf Grundlage eingehender Untersuchungen zur Benutzerfreundlichkeit und Optimierung häufiger Aufgaben vorgenommen, doch die Gewöhnung daran kann Störungen mit sich bringen. Umgang mit dem Problem Die beste Möglichkeit, Störungen zu verhindern, die Zahl der Anfragen beim Helpdesk zu verringern und möglichst rasch zu hoher Produktivität zu finden, besteht darin, Mitarbeiter frühzeitig und regelmäßig darüber zu informieren, wie häufige Aufgaben in der neuen Umgebung durchgeführt werden. Stellen Sie sicher, dass die Schulung der Endbenutzer in den Projektplan integriert wird, und stellen Sie Inhaltsabschnitte in leicht verdaulichen Portionen bereit. Organisationen, die bei der Migration großer Gruppen auf Erfolge verweisen können, haben die Grundlagen dafür frühzeitig im Prozess gelegt. Sie teilen Endbenutzern mit, was sie am ersten Arbeitstag in der neuen PC-Umgebung erwartet. Sie bieten einen Überblick über Änderungen und stellen außerdem eine Liste der „10 wichtigsten Änderungen“ bereit, in der erläutert wird, wie häufige Aufgaben ausgeführt werden können. Von ebenso großer Bedeutung ist es, den Mitarbeitern zu vermitteln, warum die neue Umgebung die Produktivität verbessern wird. Sie müssen sich die Unterstützung der Endbenutzer sichern, damit sie die Änderungen annehmen und persönlich Verantwortung dafür übernehmen, sich schnell damit vertraut zu machen. Eine Ressource, die in diesem Prozess nützlich sein kann, ist das Enterprise Learning Framework. Das Enterprise Learning Framework (ELF) ist ein Tool, das Unternehmen die Entwicklung eines Schulungs- und Kommunikationsplans für Mitarbeiter während der Bereitstellung von Windows Vista und 2007 Microsoft Office System erleichtert. ELF ermittelt die wichtigsten Lernthemen in der Windows-Onlinehilfe und in Office Online für die verschiedenen Phasen der Bereitstellung und verschiedene Arten von Benutzern. Mit dem Enterprise Learning Framework können Sie folgende Aufgaben ausführen: - Minimieren von Bedenken durch Vorbereitung der Mitarbeiter auf die Bereitstellung und Lenken der Aufmerksamkeit auf die Vorteile der neuen Versionen
- Minimieren von Störungen am Tag der Bereitstellung durch rechtzeitige Schulung der Mitarbeiter mit einer kurzen Liste der wichtigsten Themen
- Auswählen von Tipps und Tricks und anderen Produktivitätsthemen, die den Mitarbeitern dabei helfen, Windows Vista und 2007 Office nach der Bereitstellung optimal zu nutzen
Am Tag der Migration senden erfolgreiche Organisationen eine Einführungs-E-Mail mit Informationen über die neuen Features und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Ausführung häufiger Aufgaben und zur Nutzung neuer Funktionen. Bei Vorhandensein der entsprechenden Ressourcen empfiehlt sich die Erstellung kurzer Anleitungen. Damit wird Benutzern die Einarbeitung in die neue Umgebung wesentlich erleichtert. |