BDD 2007: Planungs-, Erstellungs- und Bereitstellungshandbuch

Bereitstellung

Veröffentlicht: 30. Nov 2006

Sobald die letzten Meilensteine für die Entwicklungsphase erreicht wurden, beginnt die Bereitstellungsphase, und zwar mit der Erstbereitstellung.

Die Bereitstellungsphase

In der Bereitstellungsphase stellt das Team die Lösung bereit und sorgt dabei für die Stabilität und Nutzbarkeit der Lösung. Die Bereitstellungsphase endet mit dem Meilenstein „Bereitstellung abgeschlossen“, an dem die Zuständigkeit für die Lösung auf das IT-Betriebspersonal und die Supportteams übergeht.

Hauptaufgaben

In Tabelle 11 sind die Hauptaufgaben und -ergebnisse in der Bereitstellungsphase mit den jeweiligen Besitzern aufgeführt.

Tabelle 11: Hauptaufgaben in der Bereitstellungsphase mit ihren Ergebnissen und Besitzern

Hauptaufgaben

Ergebnisse

Besitzer

Bereitstellen der zentralen Technologien

Die Bereitstellungsserver an allen Standorten wurden installiert, konfiguriert und getestet. Die Administratoren wurden geschult.

Freigabeverwaltung, Benutzererfahrung, Test

Bereitstellen von Standorten

Alle Computer an allen Standorten wurden vollständig installiert, konfiguriert und getestet. Die Benutzer wurden geschult.

Freigabeverwaltung, Benutzererfahrung, Test

Stabilisieren der Bereitstellung

Alle Computer laufen stabil und wurden an den Projekterfolgskriterien gemessen.

Alle Rollen

Abschließen der Bereitstellung

Das IT-Betriebspersonal und die Supportmitarbeiter haben die Zuständigkeit für alle Computer übernommen. Alle Rollen bestätigen den Meilenstein „Bereitstellung abgeschlossen“. Der Kunde ist mit der Bereitstellung zufrieden und bestätigt dies schriftlich.

Alle Rollen

Schwerpunkte des Teams

Tabelle 12 zeigt die Hauptaktivitäten für die einzelnen Teamrollen während der Bereitstellungsphase.

Tabelle 12: Rollencluster und Schwerpunkte in der Bereitstellungsphase

Rollencluster

Schwerpunkt

Produktmanagement

Kundenfeedback und Abnahme

Programmmanagement

Stabilisierungsmanagement

Entwicklung

Problemlösung

Test

Verfolgung der Testfallergebnisse und Probleme

Benutzererfahrung

Schulung

Freigabeverwaltung

Bereitstellungsverwaltung, Änderungsgenehmigung

Feature-Team-Dokumente und Dokumente zur Arbeitshilfe

Die folgenden Dokumente werden in der Bereitstellungsphase herangezogen:

  • Bereitstellungsplan (Arbeitshilfe)

  • Application Compatibility Feature-Team Guide

  • Deployment Feature-Team Guide

  • Desired Configuration Monitoring Feature-Team Guide

  • Infrastructure Remediation Feature-Team Guide

  • Test Feature-Team Guide

  • User State Migration Feature-Team Guide

Bereitstellen der zentralen Technologien

Die Bereitstellung der zentralen Systeme und Dienste, die die Clientbereitstellungen unterstützen, ist ein wichtiger Schritt in der Bereitstellungsphase. Er umfasst die Aktualisierung des Bereitstellungsplans und die Einrichtung der Bereitstellungsserver.

Aktualisieren des Bereitstellungsplans

Wenn das Team die Lösung ordnungsgemäß geplant und entwickelt hat, ist die Bereitstellung reine Routine. Während der Projektbeschreibungsphase haben die Teams die derzeitige Computer- und Netzwerkumgebung bewertet und dokumentiert, einschließlich Informationen zu Domänen und physischen Standorten. In der Planungsphase haben die Teams den Bereitstellungsplan mit detaillierteren und aktuelleren Angaben zur Bereitstellung aufgestellt. Nachdem nun die Entwicklungsaktivitäten abgeschlossen sind, müssen die Teams den Bereitstellungsplan wieder mit den neuesten Informationen aktualisieren und dann den Benutzern die Lösung auf der Grundlage dieses Plans zur Verfügung stellen.

Einrichten der Bereitstellungsserver

Die Teams müssen Server einrichten, auf denen die Abbilder abgelegt werden sollen, sofern nicht alle Festplatten an zentraler Stelle formatiert und dann an die in das Projekt eingebundenen Standorte versandt werden. Bei einem Großteil der Projekte muss das Team daher mindestens einen Bereitstellungsserver für die Bereitstellung einrichten. Diese Server enthalten beispielsweise Datenträgerabbilder, Lösungsskripts für den Bereitstellungsprozess oder auch Anwendungen, die für bestimmte Benutzer installiert werden sollen, sowie Sicherungskopien von Benutzerdaten und ganze Systemsicherungen. Das Team hat die Standorte für die Verteilungsserver in aller Regel bereits in der Planungsphase festgelegt. Überprüfen Sie diesen Plan, und bringen Sie ihn gegebenenfalls auf den neuesten Stand.

Bereitstellen von Standorten

Mithilfe von Standortbereitstellungen schließt das Projektteam den letzten Schritt im Verfahren zur Bereitstellung der Lösung für die Benutzer ab. Für die Bereitstellung zuständige Mitarbeiter suchen die einzelnen Standorte auf und installieren dort Windows und die zugehörigen Anwendungen auf allen Zielcomputern. Hierbei kommt das festgelegte Bereitstellungsverfahren zum Einsatz (entweder Datenträgerabbilder oder unbeaufsichtigte Installation über Verteilungsserver).

Das Team sollte die verschiedenen Standorte im Hinblick auf die Bereitstellung einzeln und unabhängig voneinander betrachten, da unterschiedliche Standorte unterschiedliche Anforderungen stellen können, wodurch eine starre „Allzweck-Bereitstellungsstrategie“ unwirksam wird. Behandeln Sie jeden Standort als Bereitstellungsprojekt im Kleinformat, das eine eigene Vorbereitungs-, Installations-, Schulungs- und Stabilisierungsphase erfordert.

Strategien für Standortbereitstellungen

Bei Standortbereitstellungen müssen notgedrungen einige Kompromisse eingegangen werden, was zu gewissen Risiken führt. Das Team sollte den Zeitplan, die Ressourcenverfügbarkeit und auch den Umfang des Projekts berücksichtigen und anhand von MSF-Konzepten wie dem so genannten Kompromissdreieck die richtigen Entscheidungen über die geeigneten Standortbereitstellungsstrategien treffen. Um die Risiken zu minimieren, sollte das Team während der Projektbeschreibungs- und Planungsphase die Bereitstellungsstrategien festlegen, noch bevor die eigentlichen Arbeiten im Rahmen der Bereitstellung beginnen.

Das Team kann die Lösung an den Standorten wahlweise seriell oder parallel bereitstellen. Bei einer seriellen Bereitstellungerledigt das Feature-Team „Bereitstellung“ zunächst alle Bereitstellungsaufgaben an einem Standort und geht dann erst zum nächsten Standort über. Serielle Bereitstellungen nehmen in der Regel weniger Ressourcen in Anspruch und sind mit geringeren Kosten verbunden, dauern jedoch meist länger als vergleichbare parallele Bereitstellungen. Bei einer parallelen Bereitstellungführt das Feature-Team „Bereitstellung“ sämtliche Bereitstellungsaufgaben an allen Standorten gleichzeitig durch. Parallele Bereitstellungen verursachen höhere Kosten aufgrund der zusätzlich erforderlichen Ressourcen (einschließlich Mitarbeitern an jedem Standort), lassen sich jedoch rascher abschließen.

Ein weiterer Aspekt, der zu berücksichtigen ist, ist die Entscheidung zwischen der Vorausplanung einer Bereitstellung und der arbeitssynchronen Planung (Just-in-Time-Planung). Vorausgeplante Bereitstellungen, bei denen das Team die Standorte untersucht, um so die Bereitstellungen im Voraus planen zu können, sind Just-in-Time-Bereitstellungenvorzuziehen, bei denen die Teammitglieder die einzelnen Bereitstellungsverfahren erst dann planen, wenn sie am Standort ankommen. Für den Fall, dass der vorzeitige Zugang zu den Standorten nicht möglich ist, ist die Just-in-Time-Vorgehensweise allerdings unumgänglich.

Vorbereiten der Standortbereitstellung

Die Standortbereitstellung umfasst drei Schritte:

  • Inventur: Überprüfung der für den Bereitstellungsplan erfassten Informationen oder gegebenenfalls Durchführung einer neuen Standortuntersuchung

  • Zeitplanung: Festlegung eines Zeitplans und einer Zeitachse für den Installationsvorgang

  • Information: Mitteilung des Zeitpunkts an die Standorte, an dem die Bereitstellung erfolgt, und anschließende Umsetzung der Strategie im Kommunikationsplan

Der Rollencluster „Freigabeverwaltung“ übernimmt die Führung bei diesen vorbereitenden Aufgaben, die in der Regel außerhalb der Standorte erledigt werden können. Führen Sie alle drei Schritte für jeden Standort durch, an dem die Bereitstellung erfolgen soll.

Durchführen der Installation

Das Team installiert die Lösung erst dann, wenn alle vorbereitenden Aktivitäten abgeschlossen sind. Auf diese Weise werden die Benutzer so wenig wie möglich bei ihrer Arbeit gestört, und es entstehen keine Verwirrungen im Zusammenhang mit dem Prozess. In einigen Fällen werden Probleme noch in letzter Minute während der Vorbereitungsphase erkannt, sodass der betreffende Standort später erneut aufgesucht werden muss, sobald die Probleme behoben wurden.

Die Installation der Lösung als solche dürfte einen der unkompliziertesten Schritte im Bereitstellungsprojekt darstellen. Wenn das Team alle Computer und Peripheriegeräte für die Bereitstellung berücksichtigt und eine entsprechende Planung aufgestellt hat, sind nur wenige oder gar keine Überraschungen zu erwarten.

Trifft das Feature-Team „Bereitstellung“ während der Durchführung auf Fehler, sollten diese Fehler im bereits vorhandenen Problemverfolgungssystem protokolliert und so schnell wie möglich behoben werden. Abhängig von der Art des Problems muss das Feature-Team „Entwicklung“ möglicherweise die Lösungsskripts überarbeiten und eventuell neue Datenträgerabbilder erstellen.

Stabilisieren der Standortbereitstellung

Die Stabilisierung ist ein wichtiger Teil des Standortbereitstellungsprozesses. Es liegt in der Verantwortung des Feature-Teams „Bereitstellung“, so lange beim Projekt zu bleiben, bis die Teammitglieder bereit dazu sind, die Lösung in die Produktion zu übernehmen.

Stellen Sie sicher, dass das System stabil arbeitet, während das Feature-Team „Bereitstellung“ und die zugewiesenen Ressourcen noch vor Ort sind. Das Team muss sich dazu auf die Erfolgskriterien konzentrieren, die sich aus dem Konzept und Projektumfang ergeben, und Rückmeldungen sammeln. Hierbei kommen die im Bereitstellungsplan definierten Verfahren zum Einsatz.

Wie bei der Standortinstallation sollte das Feature-Team „Bereitstellung“ jeden Standort einzeln stabilisieren und jeweils als autonome Einheit behandeln. Sobald alle Standorte stabil sind, kann das Team sich mit der Stabilität des Projekts als Ganzem befassen.

Stabilisieren der Bereitstellung

Unter Umständen lässt sich nur schwer feststellen, wann eine Bereitstellung vollständig abgeschlossen ist, sodass das Team das Projekt beenden kann. Neu bereitgestellte Systeme unterliegen häufig einigen Schwankungen und durchlaufen dabei einen immer wiederkehrenden Zyklus, in dem Probleme mit dem Produktionssupport erkannt und behoben werden. Das Team ist unter Umständen nicht in der Lage, das Projekt abzuschließen, weil immer wieder Probleme auftreten, die sich erst nach der Bereitstellung bemerkbar machen. Aus diesem Grund muss das Team einen klaren Meilenstein für den Abschluss der Bereitstellung definieren. Wenn das Team keinen vollständigen Übergang zu einem Betriebs- und Supportsystem in der Produktion vornimmt, kann es sich nicht vom Projekt lösen und sich auch nicht auf den Abschluss des Projekts konzentrieren.

Falls das Unternehmen erwartet, dass sich die Mitglieder des Projektteams an den fortlaufenden Wartungs- und Supportarbeiten beteiligen, sollten die Mitglieder in eine neue Rolle im Rahmen der Betriebs- und Supportstruktur wechseln, sobald das Projekt abgeschlossen wird. In der Regel verlassen jetzt die ersten Teammitglieder, die nicht in den Betrieb und Support eingebunden sind, das Projekt.

Abschließen der Bereitstellung

Nach Abschluss der Clientsystembereitstellung verlagert sich der Schwerpunkt auf die Übergabe der Bereitstellung an den Kunden und die Supportmitarbeiter.

Übergabe an das IT-Betriebspersonal und die Supportteams

Zum Abschluss des Projekts werden die Betriebs- und Supportfunktionen an das Stammpersonal übergeben. In vielen Fällen sind die Ressourcen für die Verwaltung der neuen Systeme bereits vorhanden. In anderen Fällen müssen neue Supportsysteme aufgebaut werden. In Anbetracht des Arbeitsaufwands beim Entwerfen neuer Supportsysteme kann es ratsam sein, diesen Arbeitsabschnitt als eigenes Projekt zu behandeln.

Aufgaben bei der Übergabe an das IT-Betriebspersonal und die Supportteams:

  • Aktivieren der Berichtssysteme zur Weiterleitung von Anfragen und Hilfeanforderungen an das zuständige Betriebs- und Supportpersonal

  • Veröffentlichen einer Wissensdatenbank, in der das Betriebs- und Supportpersonal die notwendigen Informationen und die Dokumentation für das Projekt findet Stellen Sie beispielsweise die Datenbanken für die Problemverfolgung und Änderungssteuerung bereit, damit das Betriebs- und Supportpersonal in der Lage ist, den Verlauf des Projekts und die Entscheidungsprozesse des Teams nachzuvollziehen.

Abnehmen des Projekts

Sobald alle Bereitstellungsaufgaben erledigt wurden, muss das Team formell darin übereinkommen, dass das Projekt den Meilenstein „Bereitstellung abgeschlossen“ erreicht hat und dass die Projektarbeiten beendet sind. Durch die Abnahme dieses Meilensteins erklären die Teammitglieder, dass sie mit den Arbeiten in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen zufrieden sind.

Die Projektteams bestätigen das Erreichen eines Meilensteins wie zuvor in der Regel mit einer formellen Abnahme (Abzeichnung). Das Abnahmedokument wird zu einem Projektergebnis.

Einholen der Abnahme durch den Kunden

Beim Abschluss des Projekts holt der Produktmanager die endgültige Abnahme durch einen Vertreter des Kunden oder Unternehmens ein. Diese signalisiert, dass die Lösung genehmigt wurde und sich das Team nunmehr vom Projekt lösen kann. Obwohl das Team an diesem Punkt noch damit beschäftigt ist, ausstehende Aufgaben informell abzuschließen und die Bereitstellung nachzubereiten, sollte mit der Abnahme förmlich erklärt werden, dass das Projekt abgeschlossen ist.

Hauptmeilenstein: Bereitstellung abgeschlossen

Vor Abschluss dieser Phase sollten die folgenden Punkte erledigt sein:

  • Zuständigkeit für den Betrieb und Support durch das IT-Betriebspersonal übernommen

  • Projektabnahme erhalten

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