BDD 2007: Anwendungskompatibilität - Handbuch für das Feature-Team (Kapitel 2)

Übersicht

Veröffentlicht: 30. Nov 2006

Die Tests der Anwendungskompatibilität sind ein wichtiger Bestandteil des Bereitstellungsprojekts. Obwohl die Anwendungstests hauptsächlich während der Entwicklungsphase des Projekts ablaufen, finden andere, ähnliche Aufgaben während des gesamten Projektlebenszyklus statt. Abbildung 1 zeigt die Phase des Bereitstellungsprojekts, in der die einzelnen Aufgaben beim Testen der Anwendungskompatibilität und bei der Bereitstellung anfallen können. Die Zeitangaben stellen lediglich Schätzungen dar und sind von Bereitstellung zu Bereitstellung verschieden.

Abbildung 1: Übersicht über das Verfahren zum Testen der Anwendungskompatibilität

So beheben Sie Kompatibilitätsprobleme:

  • Ermitteln Sie die zu testenden Anwendungen. Erstellen Sie ein Inventar der Anwendungen im Unternehmen, und prüfen Sie anhand des Zertifizierungsstatus der einzelnen Anwendungen, ob ein Test erforderlich ist.

  • Ermitteln Sie Probleme mit der Anwendungskompatibilität. Testen Sie jede Anwendung, und führen Sie ggf. ein entsprechendes Debugverfahren durch.

  • Beheben Sie die vorhandenen Probleme mit der Anwendungskompatibilität. Ermitteln und erstellen Sie Lösungen für die Anwendungskompatibilität. Bei Anwendungen, für die Quellcode vorhanden ist, überarbeiten Sie den Quellcode, und kompilieren Sie ihn erneut.

  • Stellen Sie Anwendungen und Lösungen bereit, oder verteilen Sie sie. Verwenden Sie ein Tool für die Bereitstellung und Verteilung, beispielsweise SMS.

Bei diesen Aufgaben muss den Mitgliedern des Feature-Teams für Anwendungskompatibilität klar sein, wie Probleme mit der Anwendungskompatibilität überhaupt entstehen, welche Maßnahmen zum Beheben der Probleme verfügbar sind, mit welchen Tools sie das Testprojekt für die Anwendungskompatibilität planen und mit welchen Tools die Anwendungen getestet, repariert und bereitgestellt werden können.

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Häufig auftretende Kompatibilitätsprobleme Häufig auftretende Kompatibilitätsprobleme
Lösungen zur Anwendungskompatibilität Lösungen zur Anwendungskompatibilität

Häufig auftretende Kompatibilitätsprobleme

Eine Anwendung, die speziell für eine verschiedene Version von Windows geschrieben wurde (insbesondere bei den Betriebssystemen Microsoft Windows 2000 Professional, Windows Me, Windows NT® Workstation 4.0, Windows 98 und Windows 95), kann aus verschiedenen Gründen zu Problemen führen, wenn sie unter Windows XP oder Windows Vista ausgeführt wird. Die meisten Probleme fallen in die folgenden Kategorien:

  • Setup und Installation

  • Kernelmodustreiber

  • Berechtigungen

  • Heapverwaltung

  • Firewall

  • DCOM

  • Internet Explorer

Ausführliche Informationen zu häufig auftretenden Kompatibilitätsproblemen finden Sie hier:

Setup und Installation

Probleme können auftreten, wenn eine Anwendung die Dateien und Verknüpfungen zu Ordnern kopiert, die in einer früheren Version des Windows-Betriebssystems vorlagen, in Windows XP, Windows Vista oder Windows Server 2003 jedoch fehlen. Auch die folgenden Verhaltensweisen von Programmen lösen ggf. Probleme aus:

  • Das Programm schreibt Einträge direkt in die Registrierung, also nicht über Microsoft Windows Installer und nicht über die Shell-APIS.

  • Das Programm sucht nach einer bestimmten Version des Betriebssystems.

  • Das Programm unterstützt keine Partitionen, die größer sind als 2 Gigabyte (GB).

  • Das Programm unterstützt keine langen Dateinamen.

  • Das Programm versucht, direkt auf Hardware zuzugreifen, also nicht durch Aufrufen der entsprechenden APIS.

Kernelmodustreiber

Probleme können auftreten, wenn ein Treiber versucht, eine Aufgabe durchzuführen, die in einer früheren Version des Windows-Betriebssystems zulässig war, in Windows XP, Windows Vista oder Windows Server 2003 jedoch nicht mehr ausgeführt werden kann. Probleme mit Kernelmodustreibern treten am häufigsten bei Antivirusprogrammen, persönlichen Firewallprogrammen, Programmen zur Defragmentierung der Datenträger sowie CD-Brennprogrammen auf.

Berechtigungen

Probleme mit Berechtigungen können auftreten, wenn eine Anwendung versucht, auf Bereiche des Dateisystems oder der Registrierung zuzugreifen, die in einer früheren Version des Windows-Betriebssystems für alle Benutzer und Anwendungen zugänglich waren, in Windows XP, Windows Vista oder Windows Server 2003 jedoch nicht mehr zugänglich sind. Bei diesen Betriebssystemen können normale Benutzerkonten nur in die folgenden Pfade schreiben:

  • Registrierungsunterschlüssel HKEY_CURRENT_USER, außer \Software\Policies und \Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies

  • Eigene Benutzerprofilordner des Benutzers

  • Ordner mit freigegebenen Dokumenten

  • Alle Ordner, die der Benutzer im Stammverzeichnis der Systemfestplatte erstellt

Wenn ein Benutzer versucht, in einen anderen Pfad zu schreiben, tritt ein Fehler auf.

Heapverwaltung

Probleme mit der Heapverwaltung können auftreten, weil Windows XP und Windows Vista verschiedene Probleme sofort erkennen, die in früheren Versionen des Windows-Betriebssystems oft erst spät in Erscheinung traten. Darüber hinaus können die folgenden Features in Windows XP und Windows Vista zu Problemen mit der Anwendungskompatibilität führen:

  • Windows File Protection (WFP) Dieses neue Feature sorgt dafür, dass Anwendungen keine Systemdateien ersetzen können. In früheren Versionen von Windows konnten Anwendungen durchaus freigegebene Systemdateien während der Installation austauschen, wobei häufig Probleme mit dem unterschiedlichsten Schweregrad auftraten, von Anwendungsfehlern bis hin zu einem instabilen Betriebssystem. WFP überprüft, ob die geschützten Systemdateien die richtige Microsoft-Version aufweisen, und stellt ggf. die richtige Version wieder her, wenn eine Datei ersetzt wurde. Bei Windows Vista wird WFP mittlerweile als Windows Resource Protection bezeichnet.

  • Liste der Hardwaregeräte Änderungen in der Liste der unterstützten Hardwaregeräte können Probleme bei Anwendungen verursachen, die auf nicht mehr unterstützte Geräte zugreifen.

  • Liste der Schriftarten Um die Internationalisierung zu unterstützen, wurden einige Registrierungsschlüssel hinzugefügt. Unter Umständen stellt das Betriebssystem den Anwendungen nicht mehr die Schriftauswahl bereit, die in der Anwendung erwartet wird, weil die Liste der Schriftarten geändert wurde.

  • Windows Messaging System (WMS) nicht mehr verfügbar WMS wurde aus dem Betriebssystem ausgegliedert und steht den Anwendungen entsprechend nicht mehr zur Verfügung.

  • Sicherheit bei der Ein- und Ausgabe von Dateien Windows hat die Sicherheit bei der Ein- und Ausgabe von Dateien deutlich erhöht. Anwendungen, die Dateifilter verwenden (beispielsweise Antivirusprogramme), können einen beträchtlichen Teil ihres Funktionsumfangs einbüßen.

  • Privilegierte Anweisungen Eine Anwendung wird unter Umständen heruntergefahren, wenn sie Anweisungen wie cli, sti, in, out und andere verwendet. In anderen Fällen treten ggf. Zugriffsverletzungen auf, die ignoriert werden können, sodass die Anwendung unbeeinträchtigt weiter ausgeführt wird.

  • 16-Bit-Emulation Zahlreiche Anwendungskompatibilitätskorrekturen befassen sich mit der Emulierung verschiedener Aspekte der Codebasis von Windows Me, Windows 98 und Windows 95. Anwendungen setzen häufig dieses Verhalten voraus und verlassen sich darauf.

Firewallkompatibilität

Bei Windows XP und Windows Vista wurden mehrere Änderungen an der Windows-Firewall vorgenommen, mit denen standardmäßig ein größerer Netzwerkschutz gewährleistet werden soll. Weitere Informationen zu diesen Änderungen sowie Anweisungen zur Verringerung daraus resultierender Probleme finden Sie in den folgenden Ressourcen:

DCOM

Das Microsoft Component Object Model (COM) ist ein plattformunabhängiges, verteiltes, objektorientiertes System zum Erstellen binärer Softwarekomponenten, die miteinander interagieren. DCOM ist eine Weiterentwicklung von COM, mit der die Anwendungen über mehrere Standorte hinweg verteilt werden können. Windows ermöglicht die Konfiguration systemweiter Sicherheitseinstellungen für DCOM, sodass ein gewisses Mindestmaß an Sicherheit für alle COM-Anwendungen erzielt wird. Die Konfiguration dieser Sicherheitseinstellungen erfolgt in der Serverkomponente und ist nur relevant, wenn die Anwendung im Windows-System ausgeführt wird.

Bei Windows XP und Windows Vista hat Microsoft verschiedene Änderungen an COM vorgenommen, mit denen die Administratoren computerweite Zugriffssteuerungen erhalten, die die schwachen Sicherheitseinstellungen außer Kraft setzen. Die Administratoren können jetzt eine allgemeine Autorisierungsrichtlinie festlegen, die für alle Aufrufe, Aktivierungen und Startanforderungen auf dem Computer gelten.

Weitere Informationen zu Problemen mit der DCOM-Kompatibilität finden Sie in der DCOM-Kompatibilitätsübersicht in der Hilfe und Supportdokumentation zu ACT (auf Englisch).

Übersicht über die Sicherheitsfunktionen in Windows XP und Internet Explorer

Der IECE soll IT-Fachleuten (Information Technology) beim Auswerten von Änderungen im Verhalten von Webanwendungen und Websites zur Seite stehen, die durch die neuen Sicherheitsfunktionen in Windows XP SP2 verursacht werden. Dies geschieht folgendermaßen:

  • Die aufgetretenen Problemen und Sperren der Websitefunktionen werden ermittelt.

  • Die Ursache für die Sperre wird ermittelt. Außerdem werden bestimmte Einzelheiten identifiziert, aus denen sich die Position des Problems ergibt.

Sobald Sie Windows XP SP2 und IECE installiert haben, beginnen Sie direkt mit den Tests der Websites und der Webanwendungen. Wenn eine Sicherheitsfunktion eine Aktion sperrt, werden entsprechende Informationen in das Testprotokoll eingetragen, beispielsweise:

  • Zeitstempel

  • URL, bei der die Sperre auftrat

  • Beteiligte Sicherheitsfunktion

  • URL-Zone

  • Link zu Informationen über die Behebung dieses Fehlers

  • Automatischer Schutz (sofern verfügbar)

Weitere Informationen zu Problemen mit der Internet Explorer-Kompatibilität finden Sie in der Übersicht über die Sicherheitsfunktionen von Internet Explorer in der Hilfe und Supportdokumentation zu ACT (auf Englisch).

Übersicht über die Sicherheitsfunktionen in Windows Vista und Internet Explorer

Windows Vista enthält eine neue Version von Internet Explorer (Windows Internet Explorer 7 in Windows Vista) und bietet aktualisierte Sicherheitseinstellungen, die unter Umständen einige Kompatibilitätsprobleme mit Websites oder browsergestützten Anwendungen verursachen können. Internet Explorer 7 umfasst wirkungsvollere Standardeinstellungen für bestimmte Sicherheitseinstellungen und gibt eine Warnung aus, wenn die durch einen Benutzer vorgenommenen Änderungen potenziell unsicher sind.

  • In der Internetzone, in der die meisten Benutzer arbeiten, werden die Einstellungen durch zwei bedeutende Änderungen optimiert:

    • Die Internetzone wird unter Windows Vista im geschützten Modus ausgeführt, sodass eine Tiefenverteidigung gegen bestimmte Angriffe erzielt wird, denen Internet Explorer in der Vergangenheit ausgesetzt war.

    • Die Opt-in-Funktion von Microsoft ActiveX® verkleinert die Angriffsfläche der ActiveX-Steuerelemente in der Internetzone.

  • Wird Internet Explorer 7 auf einem Computer ausgeführt, der sich nicht in einem verwalteten Unternehmensnetzwerk befindet, behandelt Internet Explorer 7 offenkundig lokale Intranetsites als Internet-Sites. Diese Änderung beseitigt nachhaltig die Angriffsfläche der Intranetzone für Heimcomputerbenutzer.

Mit Internet Explorer 7 wird eine neue Sicherheitsstufe für diesen zusätzlichen Schutz eingeführt: Mittelhoch. „Mittelhoch“ ist die Standardsicherheitsstufe für die Internetzone. Die Standardeinstellung für die Zone der vertrauenswürdigen Sites in Internet Explorer 7 lautet „Mittel“, entspricht also der Ebene für die Internetzone in Windows Internet Explorer 6.

Lösungen zur Anwendungskompatibilität

Bei Windows XP, Windows Vista und Windows Server 2003 werden Probleme mit der Anwendungskompatibilität durch die dynamische Zuordnung der Anwendungsprobleme zu den Lösungen behoben. Der Zuordnungsmechanismus wird von einer DLL (Dynamic Link Library) gesteuert, die den Mechanismus startet und ausführt, sobald ein Benutzer eine Anwendung installiert oder ausführt. Der Zuordnungsmechanismus ist dabei transparent gestaltet und wirkt sich nur geringfügig auf die Leistung des Betriebssystems und der installierten Anwendungen aus.

Die Probleme werden mithilfe mehrerer Datenbankdateien den jeweiligen Lösungen zugeordnet. Diese Datenbankdateien bestehen aus einer Liste der Anwendungen, bei denen bereits bekannte Probleme aufgetreten sind, und bieten zudem Anweisungen zum Beheben der Probleme. Die Datenbankdateien befinden sich im Ordner „systemroot\AppPatch“ in Windows XP, Windows Vista und Windows Server 2003.

Diese Datenbanken umfassen:

  • Migrationsdatenbanken

  • Vorgepackte Datenbanken

  • Benutzerdefinierte Datenbanken

Weitere Informationen finden Sie im Artikel über Lösungen für die Anwendungskompatibilität unter http://www.microsoft.com/technet/prodtechnol/windowsserver2003/library/DepKit/02af6a90-ce92-419d-a366-7f1070336de0.mspx (auf Englisch). Weitere Informationen zum Erstellen von Kompatibilitätslösungen mit ACT 5 finden Sie im Artikel über Compatibility Administrator in der Hilfe und Supportdokumentation zu ACT (auf Englisch).

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