Grundlegendes zur vertraulichen Kommunikation

Exchange 2010
 

Gilt für: Exchange Server 2010 SP2, Exchange Server 2010 SP3

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2010-01-20

In Microsoft Exchange Server 2010 können Sie Nachrichtenklassifikationen und Transportregeln verwenden, die den Nachrichtenrichtlinien Ihrer Organisation entsprechen. Eine Nachrichtenklassifikation für die vertrauliche Kommunikation könnte z. B. dazu verwendet werden, Nachrichten zu identifizieren, die als vertraulich angesehen werden und die geschützte Informationen enthalten, die ausschließlich von einem Anwalt und seinem Mandanten gemeinsam genutzt werden sollten. Dieses Thema enthält eine Übersicht über dieses Szenario für eine Exchange-Organisation. 

Weitere Informationen zur Bereitstellung der Nachrichtenklassifikation "Vertraulich" finden Sie unter Grundlegendes zur vertraulichen Kommunikation. Möchten Sie wissen, welche anderen Verwaltungsaufgaben es im Zusammenhang mit Nachrichtenklassifikationen gibt? Informationen hierzu finden Sie unter Verwalten von Nachrichtenklassifikationen.

Inhalt

Konzepte zur vertraulichen Kommunikation

Ermöglichen vertraulicher Kommunikation mit Exchange 2010

Nachrichtenklassifikation "Vertraulich"

Vertraulich ist ein juristischer Grundsatz, der dem Schutz der Kommunikation zwischen einem Anwalt und seinem Mandanten dienen soll. Durch die Zusicherung der Vertraulichkeit der Kommunikation können Anwälte und deren Mandanten heikle juristische Sachverhalte uneingeschränkt und ausführlich besprechen. Kommunikation, die den juristischen Kriterien zur Definition der Vertraulichkeit entspricht, wird als vertraulich erachtet. Die Aufdeckung einer solchen Kommunikation kann nicht erzwungen werden, wenn der Mandant nicht zustimmt.

Damit Kommunikation als vertraulich klassifiziert werden kann, muss sie alle folgenden Kriterien erfüllen:

  • Sie muss zwischen einem Anwalt und seiner Mandantschaft stattfinden.

  • Sie muss dem Zweck der juristischen Beratung bzw. dem Ersuchen um juristische Beratung dienen.

  • Ihre Vertraulichkeit muss beabsichtigt sein. Die Vertraulichkeit muss strikt gewahrt werden.

HinweisHinweis:
Die auf den juristischen Grundsatz der Vertraulichkeit anwendbaren Regeln können je nach Rechtsprechung variieren. Die in diesem Thema enthaltenen Informationen dienen nicht der Definition von Vertraulichkeit und geben keine Anleitung zu deren Schutz. Dieses Thema soll die Funktionen hervorheben, die Ihnen dabei helfen können, den Schutz vertraulicher Kommunikation über E-Mail mithilfe von Exchange 2010 zu verstärken. Die Deklarierung einer Nachricht als vertraulich garantiert nicht, dass deren Inhalt nicht offengelegt werden kann.

Soll die Vertraulichkeit der Kommunikation mit einem Anwalt über E-Mail gewährleistet sein, müssen Sie in der Regel erklären, dass Ihre Nachricht der vertraulichen Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Anwalt dienen soll. Außerdem müssen Sie angemessene Maßnahmen unternehmen, um sicherzustellen, dass die Nachricht nur an Ihren Anwalt gerichtet ist. Im Folgenden finden Sie Beispiele für Anforderungen, die eine Organisation auf Nachrichten anwenden kann, die vertraulich gehalten werden sollen:

  • In der Adresszeile ("An:") muss ein Anwalt aufgeführt sein.

  • Die Nachricht darf keine Empfänger von außerhalb der Organisation enthalten.

  • Der Betreff oder der Text der Nachricht muss den Text "Vertraulich" oder einen ähnlichen Ausdruck enthalten, durch den deutlich angegeben wird, dass es sich bei der Nachricht um vertrauliche Kommunikation handelt.

  • Die Nachricht darf außer von der Anwaltschaft oder auf deren Geheiß nicht weitergeleitet werden.

  • Die Nachricht sollte durch Rechte geschützt werden.

In früheren Versionen von Exchange Server mussten Empfänger und Absender Anforderungen der Organisation, z. B. Vertraulichkeitsanforderungen, manuell auf ihre Nachrichten anwenden. Unter folgenden Umständen können Empfänger und Absender möglicherweise unabsichtlich einen Schritt auslassen bzw. eine vertrauliche Nachricht irrtümlicherweise an einen externen Empfänger weiterleiten:

  • Lückenhaftes Verständnis komplexer Richtlinien und damit zusammenhängender Verfahren

  • Fehlende Kenntnis vom Vorhandensein solcher Richtlinien und Verfahren

Durch die unbeabsichtigte Verletzung von Organisationsanforderungen oder Vorschriften für die vertrauliche Kommunikation können Absender und Empfänger unbewusst das Recht auf Vertraulichkeit außer Kraft setzen. In Exchange 2010 helfen Nachrichtenklassifikationen und Transportregeln dabei, die Wahrscheinlichkeit solcher Benutzerfehler zu reduzieren, indem die Benutzer darüber informiert werden, dass für bestimmte Nachrichtenklassifikationen spezielle Anforderungen hinsichtlich der Umgangsweise erforderlich sind.

Eine benutzerdefinierte Nachrichtenklassifikation für "Vertraulich" in einer Exchange 2010-Organisation kann dabei helfen, die Belastung für Absender und Empfänger zu verringern, indem sichergestellt wird, dass deren Nachrichten die von ihrer Organisation vorgegebenen Vertraulichkeitsanforderungen erfüllen. Diese Klassifikation kann dazu verwendet werden, um Absendern und Empfängern der Nachricht benutzerfreundliche Beschreibungen der Klassifikation "Vertraulich" anzuzeigen. Sie kann auch bestimmte Anweisungen enthalten, wie die Nachricht zu behandeln ist, um die Vertraulichkeit aufrechtzuerhalten.

Zusätzlich zum Anzeigen von bestimmten Anweisungen für Absender und Empfänger der Nachricht kann Exchange 2010 außerdem die Vertraulichkeitsanforderungen erzwingen, wenn die Nachricht in die Transportpipeline eintritt. In einem typischen Szenario können Transportregeln auf Hub-Transport-Servern verwendet werden, um Nachrichten zu identifizieren, auf die die Klassifikation "Vertraulich" angewendet wurde. Wurde die Klassifikation angewendet, können die Transportregeln überprüfen, ob die Nachricht die Liste mit den Vertraulichkeitsanforderungen der Organisation erfüllt. Erfüllt die Nachricht die Anforderungen nicht, kann sie an den Absender zurückgesendet werden.

Es ist wichtig, zu beachten, dass die Anwendung der Nachrichtenklassifikation "Vertraulich" den Empfänger nicht standardmäßig daran hindert, dass er die Nachricht zweckentfremdet. Die Zweckentfremdung kann eine beliebige Aktion des Empfängers sein, die gemäß der Klassifikationsrichtlinie Ihrer Organisation verboten ist, z. B. das Drucken, Weiterleiten oder Kopieren der Nachricht. Damit derartige Aktionen verhindert werden, müssen Sie die Schutzregeln zur Verwaltung der Informationsrechte (Information Rights Management, IRM) anwenden und dadurch die Einhaltung der in Ihrer Organisation geltenden Vorschriften erzwingen.

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