Enterprise-VoIP-Funktionen

Lync Server 2010
 

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2012-10-18

Jede Enterprise-VoIP-Funktion in Microsoft Lync Server 2010 erfordert spezifische Planungsüberlegungen, Bereitstellungsanforderungen und Konfigurationsschritte. Die Themen in diesem Abschnitt sind nach den einzelnen Funktionen gruppiert, sodass Sie jede Funktion in verschiedenen Bereitstellungsphasen oder nur an ausgewählten Standorten separat planen können, ohne sich mit den Informationen und Anforderungen für andere Funktionen beschäftigen zu müssen, die Sie nicht bereitstellen möchten.

Folgende Funktionen waren bereits in Vorgängerversionen von Lync Server 2010 enthalten:

  • PSTN-Anbindung

  • Exchange Unified Messaging (UM)-Voicemail

    noteHinweis:
    Die Möglichkeit, einen Anbieter von gehosteten Exchange-Diensten zu verwenden, um Benutzern Voicemessagingfunktionen bereitzustellen, ist neu in Lync Server 2010

Folgende Enterprise-VoIP-Funktionen wurden in Lync Server 2010 neu hinzugefügt oder erweitert:

  • Anrufsteuerung

  • Notrufdienste (E9-1-1)

  • Medienumgehung

  • Unterstützung für mehrere Gateways

  • Änderung von Anrufer-IDs

  • Ausgehende Routenübersetzung

  • Private Telefonleitungen

  • Telefone in öffentlichen Bereichen

  • Analoge Geräte

  • VoIP-Ausfallsicherheit

  • Anrufverwaltung und Anrufbehandlung

Eine Lync Server-Enterprise-VoIP-Bereitstellung unterstützt Anrufe zum und aus dem Telefonfestnetz (Public Switched Telephone Network, PSTN). PSTN-Anrufe erfordern die Konfiguration eines SIP-Trunks, der Lync Server mit einem Anbieter von Internettelefoniediensten (Internet Telephony Service Provider, ITSP), mit einer IP-Nebenstellenanlage in Ihrem lokalen Netzwerk oder mit einem PSTN-Gateway über den Vermittlungsserver oder über eine unterstützte Survivable Branch Appliance (Hardware) verbindet.

Ausführliche Informationen zu den in Lync Server unterstützten PSTN-Anbindungsoptionen finden Sie unter PSTN-Anbindung. Ausführliche Informationen zu den ausgehenden Anrufrouten, die zwischen Lync Server und Anbietern von Internettelefoniediensten, IP-Nebenstellenanlagen oder PSTN-Gateways konfiguriert werden müssen, finden Sie unter Planen des Routings ausgehender Anrufe.

Wenn Sie Microsoft Exchange Server in Ihrer Organisation bereitgestellt haben oder die Bereitstellung planen, können Sie Exchange UM-Funktionen verwenden, um Voicemailfunktionen für Enterprise-VoIP-Benutzer bereitzustellen. Ausführliche Informationen zur Integration von Exchange UM finden Sie unter Integration in lokale Exchange Unified Messaging-Dienste und Integration in gehostete Exchange Unified Messaging-Dienste.

Lync Server 2010 stellt die Anrufsteuerung bereit, um basierend auf der verfügbaren Netzwerkbandbreite festzulegen, ob neue Anrufe getätigt werden können. Ausführliche Informationen zur Bewertung Ihrer Netzwerkstandorte und Netzwerkbandbreite sowie zur Konfiguration von Anrufsteuerungsrichtlinien zum Verwalten der Bandbreite finden Sie unter Anrufsteuerung.

Lync Server unterstützt E9-1-1 (9-1-1 [erweitert]), eine Funktion, mit der Standortinformationen an die Notrufzentrale übermittelt werden. Ausführliche Informationen zu E9-1-1 sowie zum Zuordnen der Telefonnummern von Enterprise-VoIP-Benutzern zu den zugehörigen physischen Standorten finden Sie unter Notrufdienste (E9-1-1).

Die Medienumgehung ist eine neue Funktion von Lync Server, mit der der Mediendatenverkehr von einem Lync Server-Client den Vermittlungsserver umgehen und direkt durch eine IP-Nebenstellenanlage, den SBC (Session Border Controller) eines SIP-Trunkinganbieters oder einen PSTN-Gateway verarbeitet werden kann. Die Medienumgehung ist nur für bestimmte Arten von Anrufen verfügbar. Ausführliche Informationen zum Konfigurieren der Unterstützung für die Medienumgehung in Ihrer Enterprise-VoIP-Bereitstellung finden Sie unter Enterprise-VoIP deployment, see Medienumgehung.

noteHinweis:
Die Medienumgehung funktioniert nicht mit allen PSTN-Gateways, IP-Nebenstellenanlagen oder SBCs. Microsoft hat eine Reihe von PSTN-Gateways mit zertifizierten Partnern getestet und einige Tests mit IP-Nebenstellenanlagen von Cisco durchgeführt. Die Zertifizierung für die SBCs ist im Gange. Die Medienumgehung wird nur für die Produkte und Versionen unterstützt, die auf der Webseite für das Unified Communications Open Interoperability Program – Lync Server unter http://go.microsoft.com/fwlink/?linkid=214406&clcid=0x407 aufgelistet werden.

In Lync Server 2010 kann ein einzelner Vermittlungsserver mehrere PSTN-Gateways steuern. In vorherigen Versionen bestand eine 1:1-Beziehung zwischen einem Vermittlungsserver und einem PSTN-Gateway. Wenn Sie in Lync Server eine Anrufroute definieren, geben Sie die Gateways an, die dieser Route zugeordnet sind. Sie legen jedoch nicht fest, welche Vermittlungsserver der Route zugeordnet sind. Stattdessen verwenden Sie den Topologie-Generator, um jedem PSTN-Gateway einen Vermittlungsserver oder einen Vermittlungsserverpool zuzuordnen. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter Unterstützung für mehrere Gateways.

Lync Server 2010 bietet die Möglichkeit, die für ausgehende Anrufe angezeigten Anrufer-ID-Informationen zu ändern. Entscheiden Sie bei der Planung von ausgehenden Anrufrouten, ob die Anrufer-IDs für Anrufe von bestimmten Benutzern, Gruppen, Standorten oder für Anrufe von allen Benutzern geändert werden sollen.

Wie in vorherigen Versionen erfordert Lync Server 2010 eine Normalisierung aller Wählzeichenfolgen in das E.164-Format, um eine umgekehrte Nummernsuche durchführen zu können. Downstreamkomponenten wie beispielsweise Gateways, Nebenstellenanlagen und SIP-Trunks erfordern jedoch möglicherweise Nummern in lokalen Wählformaten. Daher war es in Microsoft Office Communications Server 2007 gelegentlich erforderlich, Downstreamkomponenten individuell zu konfigurieren oder Anrufe sogar umzuleiten, damit E.164-Wählzeichenfolgen akzeptiert wurden.

In Lync Server 2010 dagegen können Sie eine oder mehrere Regeln erstellen, mit denen der Anforderungs-URI im E.164-Format vor der Weiterleitung an das Gateway geändert wird. Sie können beispielsweise eine Regel erstellen, mit der das Präfix +44 aus einer Wählzeichenfolge entfernt und durch 0144 ersetzt wird, bevor der Anruf an das Gateway weitergeleitet wird.

Enterprise-VoIP-Benutzer können nun eine zweite, nicht gelistete Telefonnummer für eingehende Anrufe erhalten. Ausführliche Informationen zu privaten Telefonleitungen finden Sie unter Private Telefonleitungen.

Lync Server bietet jetzt Unterstützung für Telefone in öffentlichen Bereichen, sodass Sie Telefondienste und Unified Communications-Funktionen in öffentlich zugänglichen Bereichen, wie z. B. dem Eingangsbereich eines Gebäudes, über Lync Server bereitstellen können. Ausführliche Informationen zum Planen von Telefonen in öffentlichen Bereichen in Ihrer Lync Server-Umgebung finden Sie unter "Auswählen neuer Geräte" im Abschnitt "Planen von Geräten" in der Planungsdokumentation.

Lync Server unterstützt nun analoge Geräte in der Enterprise-VoIP-Umgebung. Analoge Geräte sind beispielsweise analoge Telefone oder Faxgeräte, die an einen analogen Port eines Gateways oder einer Nebenstellenanlage angeschlossen sind, oder ATA-Gateways mit zwei bis vier analogen Ports, die an ein PSTN-Gateway angeschlossen sind und den Anschluss von analogen Geräten ermöglichen. Ausführliche Informationen zur Integration von analogen Geräten in Ihre Enterprise-VoIP-Bereitstellung finden Sie unter Planen der Bereitstellung von analogen Geräten in der Planungsdokumentation.

Die VoIP-Ausfallsicherheit für Zweigstellenstandorte ist die Fähigkeit einer Zweigstelle, unterbrechungsfreie Enterprise-VoIP-Dienste bereitzustellen, sodass Benutzer weiterhin Anrufe tätigen und empfangen können, wenn am zentraler Standort oder in der WAN-Verbindung zum zentraler Standort eine Störung auftritt. Ausführliche Informationen zur Planung für eine ausfallsichere Enterprise-VoIP-Bereitstellung finden Sie unter Planen der Ausfallsicherheit für Enterprise-VoIP, Planen von VoIP-Ausfallsicherheit für den zentralen Standort und Planen von VoIP-Ausfallsicherheit für Zweigstellen.

Lync Server umfasst Anrufverwaltungsfunktionen, die die Weiterleitung und Beantwortung von eingehenden Anrufen steuern. Sie können beispielsweise das Parken von Anrufen aktivieren und festlegen, wie eingehende Anrufe bei nicht zugewiesenen Rufnummern verarbeitet werden.

Sie können weiterhin die Microsoft Office Communications Server 2007 R2-Funktion nutzen, mit der Sie Benutzer als Stellvertreter für die eingehenden Anrufe ihres Vorgesetzten konfigurieren. Sie können außerdem weiterhin die Weiterleitung und die Platzierung in Warteschleifen für eingehende Anrufe an Gruppen aus bestimmten Benutzern – sogenannte Reaktionsgruppen – konfigurieren. Zu den neuen Funktionen für Reaktionsgruppen gehört die Möglichkeit, dass Agents eingehende und ausgehende Anrufe anonym zu behandeln und Microsoft Lync 2010 Attendant verwenden können, um wartende Anrufe in beliebiger Reihenfolge zu beantworten. Lync Server 2010 bietet außerdem integrierte Verwaltungsfunktionen, flexiblere Konfigurationen und Ansagen für die interaktive Sprachantwort (Interactive Voice Response, IVR) sowie einen Webdienst, der benutzerdefinierte Agentkonsolen unterstützt.

Ausführliche Informationen zur Planung dieser Anrufverwaltungsfeatures finden Sie unter Planen der Anrufverwaltungsfunktionen.

 
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