Speicherentwurf für Postfach

Exchange 2010
 

Gilt für: Exchange Server 2010 SP2, Exchange Server 2010 SP3

Letztes Änderungsdatum des Themas: 2016-11-28

Es wird empfohlen, den Speicherentwurfsprozess in drei Schritte zu unterteilen. In den folgenden Abschnitten sind ausführliche Informationen zu den einzelnen Entwurfsschritten enthalten, einschließlich der Anforderungen und bewährten Methoden für den Postfachspeicher.

Verschiedene Faktoren hinsichtlich der Exchange 2010-Architektur beeinflussen den Postfachspeicherentwurf. In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Faktoren aufgeführt, die sich auf den Postfachspeicherentwurf auswirken.

Architektonische Faktoren beim Postfachspeicherentwurf

Entwurfsfaktor Beschreibung Auswirkung auf den Speicherentwurf

Postfachanzahl

Die maximale Anzahl der als Ziel gesetzten Postfächer, die auf einem bestimmten Postfachserver gehostet werden sollen.

Leistung   Mehr Postfächer entsprechen einer größeren Anzahl der pro Server zugestellten und geöffneten Nachrichten. Dadurch werden umfassendere Ein-/Ausgaben für Protokoll und Datenbank generiert.

Kapazität   Mehr Postfächer entsprechen einer größeren Kapazität zum Speichern von Postfachinhalten. Dies wirkt sich auf die Anzahl der Datenbanken und auf die Größe der Datenbanken pro Server aus. Mehr Postfächer entsprechen ebenfalls einer größeren Anzahl von Protokollen, die pro Server und pro Tag generiert werden.

Zuverlässigkeit   Je größer die Anzahl der auf dem Postfachserver gehosteten Postfächer, desto dringender ist im Allgemeinen die Anforderung nach einer hohen Verfügbarkeit.

Postfachparallelität

Der im Zeitraum von einer Stunde gemessene Prozentsatz der Benutzer, die gleichzeitig eine Verbindung zum Postfachserver herstellen.

Leistung   Eine höhere Parallelität entspricht einer größeren Anzahl der pro Server zugestellten und geöffneten Nachrichten. Dadurch werden umfassendere Ein-/Ausgaben für Protokoll und Datenbank generiert. Eine 100-prozentige Parallelität wird im Allgemeinen für die Bestimmung der Speichergröße für Standard-Information-Worker verwendet.

Kapazität   Eine höhere Parallelität entspricht einer größeren Anzahl von Protokollen, die pro Server pro Tag generiert werden.

Postfachgröße

Das maximale Postfachkontingent pro Postfach, z. B. beträgt die maximale Postfachgröße 10 GB. Dies umfasst die für das primäre Postfach, für das persönliche Archiv und für die Daten von wiederherstellbaren Elementen (Dumpster) erforderliche Kapazität.

Leistung   Größere primäre Postfächer entsprechen einer größeren Menge von zu verarbeitenden Inhalten für unregelmäßige Datenbankvorgänge, z. B. vollständige Synchronisation der Microsoft Outlook-OST-Dateien (Offlineordnerdateien) und Erstellung der neuen Ansicht in Microsoft Office Outlook Web App. Dadurch können geringfügig mehr Ein-/Ausgaben für Protokoll und Datenbank generiert werden.

Kapazität   Größere Postfächer entsprechen einer größeren Kapazität zum Speichern von Postfachinhalten. Dies wirkt sich auf die Anzahl der Datenbanken und auf die Größe der Datenbanken pro Server aus.

Postfachverwendungsprofil

Die Verwendungscharakteristika von Benutzern auf den Postfachservern, die im Allgemeinen als die pro Tag gesendeten und empfangenen Nachrichten und als durchschnittliche Nachrichtengröße in Kilobyte (KB) definiert werden.

Leistung   Je intensiver das Postfachverwendungsprofil, desto mehr Ein-/Ausgaben können für Protokoll und Datenbank generiert werden.

Kapazität   Ein intensiveres Postfachverwendungsprofil entspricht einer größeren Anzahl der pro Server und pro Tag generierten Protokolle.

E-Mail-Clienttypen

Die Typen und Prozentangaben von verschiedenen E-Mail-Clients, z. B. Outlook 2003Exchange-Cachemodus, Windows Mobile, Microsoft Exchange ActiveSync und Microsoft Office Outlook Web App.

Leistung   Unterschiedliche Clients weisen unterschiedliche Leistungsmerkmale auf dem Server auf.

E-Mail-Clienterweiterungen

Anwendungen von Microsoft und Drittanbietern, die die Funktionen des E-Mail-Clients erweitern, z. B. Clients für Office Communicator und die Windows-Desktopsuche

Leistung   In Abhängigkeit von der Implementierung können Anwendungen für die E-Mail-Clienterweiterung eine leichte oder sehr starke Auswirkung auf die Datenbank-E/A auf dem Postfachserver haben.

Serveranwendungen

Anwendungen, die entweder auf oder für Exchange-Postfachserver ausgeführt werden, z. B. Anwendungen für mobile Geräte und Antivirenanwendungen von Drittanbietern.

Leistung   In Abhängigkeit von der Implementierung können Serveranwendungen eine leichte oder sehr starke Auswirkung auf die Datenbank-E/A auf dem Postfachserver haben.

Anforderungen an die hohe Verfügbarkeit

Gibt an, ob die hohe Verfügbarkeit von Exchange 2010 verwendet wird und wie die Konfiguration erfolgt, z. B. Anzahl der Kopien, der Standorte sowie der verzögerten Kopien.

Leistung   Lösungen für eine hohe Verfügbarkeit erfordern möglicherweise geringfügig umfassendere Ein-/Ausgaben als Lösungen ohne hohe Verfügbarkeit, um die zusätzlichen Ein-/Ausgaben für das Protokollvolumen zu verarbeiten, die durch die Protokollreplikation erzeugt werden.

Kapazität   Die Verwendung einer hohen Verfügbarkeit erhöht die Menge des erforderlichen Datenbankdateispeichers (je nach der Anzahl der Kopien). Wenn die Umlaufprotokollierung verwendet wird, kann die Protokollkapazität reduziert werden. Die Verwendung einer hohen Verfügbarkeit entspricht einer größeren Anzahl von pro Server und pro Tag generierten Protokollen.

Zuverlässigkeit   Das Bereitstellen einer hohen Verfügbarkeit erhöht die geeignete Anzahl von Speicheroptionen. Ein weniger zuverlässiger Speicher, d. h. Speicher ohne RAID oder nur eine Reihe von Datenträgern (Just a Bunch of Disks, JBOD), kann verwendet werden, wenn mehrere Datenbankkopien in einer Bereitstellung mit hoher Verfügbarkeit eingesetzt werden.

Weitere Informationen zu den in der vorherigen Tabelle behandelten Funktionen finden Sie in den folgenden Themen:

Nachdem Sie die Eingabeanforderungen für den Exchange 2010-Speicher erfasst haben, müssen Sie die Speicherarchitektur auf Basis der E/A- und der Kapazitätsanforderungen entwerfen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Ihre Speicherarchitektur zu konfigurieren. Sie können die Anforderungen für die Speicherarchitektur manuell berechnen oder den Anforderungsrechner für die Exchange 2010-Postfachserverrolle verwenden. Das manuelle Berechnen der Anforderungen erfordert eingehendere Kenntnisse zum Postfachspeicherentwurf, der in den Themen bereitgestellt wird, die später in diesem Thema unter "Manuelles Berechnen der Anforderungen für die Postfachserverrolle" aufgeführt werden. Wenn Sie den Rechner für die Postfachserverrolle verwenden, ermöglicht dieser Ihnen die Eingabe Ihrer Informationen und stellt dann eine empfohlene bewährte Methode für Ihren Entwurf bereit.

Führen Sie die folgenden Schritte aus, um die Architektur Ihrer Postfachserverrolle abzuleiten:

  1. Informationen zum Ermitteln Ihres Modells zur hohen Verfügbarkeit finden Sie unter Grundlegendes zu hoher Verfügbarkeit.

  2. Informationen zum Berechnen Ihrer Anforderungen für die Datenbank- und Protokollkapazität finden Sie unter Grundlegendes zu Postfachdatenbank- und Protokollkapazität.

  3. Informationen zum Ermitteln Ihrer Speicheranforderungen finden Sie unter Grundlegendes zum Postfachdatenbankcache.

  4. Informationen zum Berechnen der Anforderungen für die Datenbank- und Protokollleistung finden Sie unter Grundlegendes zu Faktoren für Datenbank- und Protokollleistung.

  5. Informationen zum Ermitteln Ihrer LUN-Architektur (Logical Unit Number, logische Gerätenummer) finden Sie unter Grundlegendes zur Exchange 2010-LUN-Architektur.

  6. Informationen zum Ermitteln Ihrer Speicherarchitektur auf Basis Ihrer Anforderungen finden Sie unter Grundlegendes zur Speicherkonfiguration.

  7. Informationen zum Ermitteln Ihrer CPU-Anforderungen finden Sie unter Kapazitätsplanung für den Postfachserverprozessor.

Lesen Sie anschließend Entwurfsbeispiel für die Exchange 2010-Postfachserverrolle, um zu sehen, wie all diese Informationen gemeinsam verwendet werden.

Mithilfe des Anforderungsrechners für die Exchange 2010-Postfachserverrolle können Sie Ihre Anforderungen für die Postfachserverrolle ermitteln, indem Sie eine Reihe von Eingabefaktoren angeben. Der Rechner kann die Anforderungen für den Arbeitsspeicher, den Speicherplatz (E/A-Leistung, Kapazität und Speicherkonfiguration), das optimale LUN-Layout und die CPU-Megazyklen ermitteln. Es müssen zahlreiche Variablen berücksichtigt werden, bevor Sie eine optimale Lösung für einen Exchange 2010-Postfachserver entwerfen können. Der Rechner kann Sie bei diesem Entwurfsprozess unterstützen. Weitere Informationen zu diesem Rechner (sowie zum Herunterladen des Rechners) finden Sie im Exchange Server Team Blog-Artikel Anforderungsrechner für die Exchange 2010-Postfachserverrolle (möglicherweise in englischer Sprache).

HinweisHinweis:
Der Inhalt jedes Blogs und die dazugehörige URL kann ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Der Inhalt jedes Blogs wird "WIE BESEHEN" ohne Gewährleistungen bereitgestellt und überträgt keine Rechte. Die Verwendung der enthaltenen Skriptbeispiele unterliegt den in den Nutzungsbestimmungen angegebenen Bedingungen.

Vor dem Implementieren einer Speicherlösung in einer Produktionsumgebung ist es wichtig, zu überprüfen, ob die Lösung ordnungsgemäß konfiguriert ist. Dieser Abschnitt umfasst eine Anleitung zum erfolgreichen Testen einer Speicherlösung für Exchange, wobei als Erstes ein Programm vorgestellt wird, das bereits getestete Lösungen berücksichtigt.

Zusätzlich werden Informationen über verschiedene Tools bereitgestellt, die Sie beim Verwalten, Testen und Überwachen der Speicherlösung unterstützen können. Weitere Informationen zum Verständnis und zur Problembehandlung bei der E/A-Leistung finden Sie unter Grundlegendes zu Faktoren für Datenbank- und Protokollleistung.

Sie sollten sich für eine Speicherlösung entscheiden, die vom Microsoft Exchange Solution Reviewed Program (ESRP) für Speicherlösungen, auch ESRP-Storage genannt, geprüft wurde. ESRP-Storage ist ein Exchange-spezifischer Test, ein Framework zur Veröffentlichung bewährter Methoden sowie eine Überprüfungsmöglichkeit für die einfachere Erstellung bekannter und ausgereifter Speicherlösungen für Exchange. Folgende Ziele werden verfolgt:

  • Bereitstellung von Anleitungen für Speichertests und Veröffentlichungen bewährter Methoden zur Verwendung von Exchange für Anbieter von Speicherlösungen

  • Entwicklung eines Mechanismus zur Überprüfung von Speicherlösungen, um sicherzustellen, dass diese den bewährten Methoden für Exchange entsprechen

  • Bereitstellung ausführlich getesteter, hochwertiger Speicherlösungen, die für Exchange-Bereitstellungen konzipiert sind

Weitere Informationen finden Sie unter Microsoft Exchange Solution Reviewed Program (ESRP) - Storage v.2.1 (möglicherweise in englischer Sprache).

HinweisHinweis:
ESRP-Storage ist kein Microsoft-Zertifizierungs-, -Qualifizierungs- oder -Logoprogramm.

Da eine Speicherlösung auf vielerlei Weisen konfiguriert werden kann, können durch das Bewerten getesteter Konfigurationen und Befolgen bewährter Methoden die Kosten gesenkt und die Bereitstellungszeiten verkürzt werden.

Bevor Sie eine Lösung testen, müssen Sie sich bewusst machen, was durch den Test erreicht werden soll. Folgende Punkte sind u. a. der Schlüssel zu einem erfolgreichen Speicherlösungstest:

  • Bestimmen Sie die Testziele. Berücksichtigen Sie z. B. die erforderlichen Leistungs-, Durchsatz- und Kapazitätswerte.

  • Führen Sie einen Test mit der Anzahl der an die Speicherlösung angeschlossenen Server durch, die in der Produktumgebung vorhanden sein sollen. Dazu gehören Server ohne Exchange und sonstige Verarbeitungslasten.

  • Testen Sie mit Datenbanken in Produktionsgröße sowie physikalischen Datenträgerkapazitäten, die mit vollständigen Produktionsdaten belegt sind. Die meisten Leistungsmerkmale physikalischer Datenträger ändern sich je nach Größe der Datenmenge.

  • Bestimmen Sie, dass die Speicherlösung die Anforderungen an die transaktionelle E/A erfüllen soll, und legen Sie die Maximalleistung der Lösung im Rahmen akzeptabler Latenzzeiten fest.

  • Bestimmen Sie, dass die Speicherlösung den Sicherungsdurchsatz und die Leistungsanforderungen Ihrer Servicevereinbarung zur Sicherung und Wiederherstellung erfüllen soll.

Das Microsoft-Tool Exchange Server Jetstress dient zur präzisen Simulation von Exchange-E/A-Merkmalen. Das Programm bietet sowohl einen Belastungs- als auch einen Leistungstest, die die maximale Leistung einer LUN innerhalb akzeptabler Latenzzeiten anzeigen. Der Exchange Load Generator simuliert Microsoft Office Outlook-Clients.

Beide Tools simulieren Outlook. Das Simulieren von Outlook-Clients ist die einzige Möglichkeit zum Messen der tatsächlichen Clientlatenz (anstatt nur der Latenz von Serverdatenträgern). Weitere Informationen zu diesen Tools, einschließlich der Informationen zum Herunterladen, finden Sie unter Tools für die Bewertung von Leistung und Skalierbarkeit.

WichtigWichtig:
Microsoft Exchange Jetstress sollte in Systemen verwendet werden, bevor Produktionsdaten auf dem Server abgelegt werden. Jetstress sollte nicht auf Systemen verwendet werden, die Produktionsdaten enthalten.
WichtigWichtig:
Exchange Load Generator ist für den Einsatz in Testumgebungen und nicht in Produktionsumgebungen vorgesehen.

Das Überwachen der Speicherlösung ist wichtig, damit Hardware- und Softwarewarnungen sowie Fehlerbedingungen identifiziert werden können, bevor diese zu Datenbeschädigungen oder Downtime führen.

Folgende Tools können bei der Überwachung der Speicherlösung hilfreich sein. Diese Tools stehen im Knoten Toolbox der Exchange-Verwaltungskonsole zur Verfügung:

  • Best Practices Analyzer Tool

  • Systemmonitor

  • Leistungsproblembehandlung

Zusätzlich kann für die Überwachung der Speicherlösung sowie verschiedener anderer Aspekte der Exchange-Organisation Microsoft System Center Operations Manager 2007 verwendet werden.

Der Systemmonitor (perfmon.exe) ist das Leistungs-Snap-In von Microsoft Management Console (MMC) für Exchange 2010. Der Systemmonitor, der mithilfe des MSExchangeIS-Leistungsobjekts Leistungsindikatorinformationen abruft, bietet Informationen, mit denen sich der Status der Speicherlösung einschätzen lässt. Weitere Informationen finden Sie unter Leistungs- und Skalierbarkeitsindikatoren und -schwellenwerte.

Bei zahlreichen Speicherlösungen gibt es eine Möglichkeit, die Leistungskennzahlen anzuzeigen. Durch das Überwachen dieser Kennzahlen können Leistungsprobleme aufgedeckt werden, bevor sich diese auf Exchange auswirken. Falls möglich, kann eine Integration mit System Center Operations Manager 2007 durch den Anbieter der Speicherlösung die Deutung systeminhärenter Kennzahlen erleichtern. Einige der allgemeinen zu überwachenden Kennzahlen umfassen:

  • Prozentwert der Datenträgerauslastung   Wie stark sind die physikalischen Datenträger belegt?

  • Trefferquote des Lesecaches   Wie gut wird der Cache des Speichercontrollers genutzt?

  • Anforderungen für anhängige Schreibvorgänge   Wie häufig muss der Controller auf den physikalischen Datenträger warten?

  • Prozentwert der Auslastung des Speicherprozessors   Wie hoch ist die Auslastung des Speichercontrollerprozessors?

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